tz-Interview

Olic: „Ich will Titel! Diese Saison!“

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Fühlt sich wohl in München - und offenbar auch in der Lederhose: Ivica Olic

München - Unter den Superstars ging sein Name anfangs etwas unter: Ivica Olic. Er kam vor der Saison ablösefrei vom HSV. Nach dem Gomez-Transfer trauten ihm nur wenige einen Stammplatz zu. Doch Olic hat alle überzeugt – auch Louis van Gaal. Das tz-Interview:

Herr Olic, Sie sind jetzt seit drei Monaten in München. Wie gefällt es Ihnen?

Olic: Ganz ehrlich: Ich war erst ein einziges Mal in der Stadt, kann deswegen nicht viel darüber sagen. Aber ich fühle mich, als wäre ich schon ganz lange hier.

Ist München schon ein bisschen Ihre Heimat?

Olic: Wir haben ein sehr schönes Haus gefunden, haben ein wunderbares Leben. Ich vermisse Hamburg nicht. Außerdem hat es dort so oft geregnet. Hier ist das Wetter besser.

Und ihre beiden Jungs, Luka und Toni, sind schon Bayern-Fans…

Olic: Stimmt. Ich habe meinen Großen eben mit dem Auto zum Fußballtraining bei den Bayern gebracht. Da sagte er sofort zu mir, dass er die CD hören wolle, die ich von der tz geschenkt bekommen habe: Stern des Südens. Die hatte er sich so lange gewünscht und jetzt wollte er sie die ganze Fahrt über hören, bestimmt zehnmal. Ich habe gesagt: Toni, ich möchte etwas anderes hören, aber er wollte nur Stern des Südens hören.

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In Ihrer Heimatstadt sind jetzt auch alle Bayern-Fans?

Olic: Ja, mein Bruder und ein paar Freunde waren gerade da. Da musste ich über 30 Trikots und Dutzende Mützen von Bayern kaufen. Die waren vorher schon Bayern-Fans, aber jetzt sind sie ganz verrückt.

Die Konkurrenz ist riesig in München.

Olic: Das stimmt. Wenn ich meine Chance bekomme, muss ich immer 100 Prozent geben. Wenn ich nicht gut spiele, weiß ich, dass ich im nächsten Spiel nicht dabei bin.

Ist es etwas Besonderes, gegen den HSV zu spielen?

Olic: Natürlich. Ich habe noch viele Freunde und Bekannte dort, aber wenn ich spiele, will ich gewinnen.

Als Sie verpflichtet wurden, waren Robben und Gomez noch nicht da. Wenn Sie das vorher gewusst hätten, hätten Sie sich das noch mal überlegt?

Olic: Ich habe ja schon im Dezember 2008 gewusst, dass ich komme, da war von beiden noch keine Rede.

Da war Klinsmann auch noch Trainer. Was haben Sie gedacht, als van Gaal kam?

Olic: Dass das ein sehr, sehr großer Name ist. Und ich habe mich bei Leuten informiert, die unter ihm trainiert hatten. Bei ihm spielt nur die Leistung eine Rolle. Du spielst, wenn du alles gibst. Das ist das Wichtigste. Nicht der Name oder die Millionen, die du gekostet hast. Deswegen war das eine gute Wahl für mich. Mir war klar, dass ich meine Chance bekommen würde.

Dazu passt, dass van Gaal am Anfang vor der Mannschaft zu Ihnen gesagt hat, dass er sie nicht verpflichtet hat, sie also nicht sein Wunsch-Spieler seien. Und später, nachdem Sie ihn im Training überzeugt hatten, hat er sich – ebenfalls vor der ganzen Mannschaft – dafür bei Ihnen entschuldigt. Zeigt das die Größe des Trainers?

Olic: Ja, auf jeden Fall. Am Anfang war es schwierig für mich, vor allem, weil er mich ja nie im Spiel gesehen hatte. Aber mittlerweile habe ich ihn überzeugt. Der Trainer ist sehr ehrlich, anfangs hatte er mich nicht auf seinem Plan. Aber es zeigt seine Größe, wenn er sich von meiner Leistung überzeugen lässt. Aber das heißt auch: Ich kann schon morgen auf der Bank sitzen.

Haben Sie jemals so einen Konkurrenzkampf erlebt?

Olic: Nein. In Moskau damals war es schon hart. Ich kämpfte mit Vagner Love und Jo um die Plätze. Aber es gab zwei Plätze für drei Leute. Jetzt sind es fünf Topleute, die um einen einzigen Platz kämpfen. Das ist schon brutal.

Glauben Sie, dass im Winter einer der Stürmer aufgibt?

Olic: Das kann ich nicht beantworten. Für mich kommt das nicht infrage.

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Woher kommt Ihre Art zu spielen eigentlich?

Olic: Vielleicht von meinem Bruder. Der war neun Jahre älter, wollte aber nie laufen. Und deswegen haben ihn immer alle gefragt: Wieso läufst du nicht? Ich wollte nicht, dass das jemand zu mir sagt.

Können Sie Ihre Spielweise eine Saison durchhalten?

Olic: Letztes Jahr habe ich 50 Spiele gemacht, und am Ende habe ich schon gemerkt, dass ich platt war. Aber ich bin das ja gewohnt. Und wir haben ja viele Stürmer, so dass wir immer mal wieder wechseln können. Das hilft.

Machen Sie Extra-Training für Ihre Kondition?

Olic (lacht): Nur mit meinem Sohn im Garten.

Welches Ziel muss sich der FC Bayern stecken?

Olic: Beim FC Bayern interessiert nur der erste Platz – und am besten auch der Pokal. Wenn du das nicht schaffst, ist das gleich eine Tragödie.

Und was ist mit der Champions League? Ist da schon der Titel drin?

Olic: Möglich ist das in jedem Fall. Du brauchst natürlich Glück. Aber da ist alles möglich.

Auch Real oder Barca zu schlagen?

Olic: Natürlich. Niemand ist unschlagbar. Beim Audi-Cup haben wir auch ManU geschlagen.

Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?

Olic: Ich bin in Deutschland noch ohne Titel. Das will ich unbedingt ändern. Und zwar diese Saison.

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Wie oft sind sie im Spiel in Gedanken bei Ihrem krebskranken Vater?

Olic: Sehr oft. Im Moment geht es im besser, ich hoffe, dass die schlimmste Zeit hinter ihm liegt. Er kommt langsam wieder auf die Beine. Mein größter Wunsch ist, dass er nach München kommt und sich ein Spiel von mir in der Allianz Arena ansehen kann. Das ist auch sein größter Wunsch.

Interview: Tobias Altschäffl, Jan Janssen

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