Technische Komponenten im Fokus

Aufruhr in der Königsklasse wegen Mercedes-Partner Racing Point - „Kopieren Standard in der Formel 1“

Racing Point hat in der Formel 1 bereits die Möglichkeit, Ferrari davon zu fahren
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Racing Point hat in der Formel 1 bereits die Möglichkeit, Ferrari davon zu fahren.

Wie stark hat Racing Point von Formel-1-Spitzenreiter Mercedes abgekupfert? Red Bull lässt sich in die Karten blicken, Ex-Schumi-Boss Ross Brawn erklärt das „verzwickte Problem“.

  • Racing Point konnte auch beim Ungarn-GP der Formel 1 in Budapest überzeugen.
  • Dadurch rückt wiederholt die technische Verbundenheit mit Mercedes in den Vordergrund.
  • Renault legt Protest ein - Red Bull kündigt Maßnahmen auf das FIA-Urteil an.

Update vom 21. Juli: Formel-1-Direktor Ross Brawn hat Racing Point in der Diskussion um ein möglicherweise illegal zusammengebautes Rennauto in Schutz genommen. In einer Kolumne äußerte sich der Brite zu den Vorwürfen, denen zufolge der Rennstall ein Bauteil von Mercedes einfach kopiert haben soll: „Aus meiner Sicht ist Kopieren Standard in der Formel 1.“ Racing Point habe einfach das nächste Level erreicht und einen gründlicheren Job gemacht, schildert Brawn.

Formel 1: Ross Brawn nimmt „pinke Mercedes“ von Racing Point in Schutz

Das Team, im kommenden Jahr als Aston Martin in der F1, sieht sich mit zwei Protesten von Renault konfrontiert (siehe unten). Es geht jeweils um die Bremsbelüftung des rosafarbenen Autos, das manche wegen seiner Ähnlichkeit zum Vorjahresmodell von Antriebslieferant Mercedes auch als pinken Mercedes bezeichnen.

„Es gibt nicht ein Team im Fahrerlager, das nicht irgendwas von einem anderen kopiert hat“, schreibt der 65-Jährige. Auch er habe das getan, als Technikchef unter anderem bei allen sieben WM-Titeln von Michael Schumacher bei Benetton und Ferrari mitverantwortlich. Er arbeitete danach unter anderem als Teamchef für sein eigenes Team BrawnGP und bei dessen Nachfolger Mercedes.

Für gewöhnlich habe jeder Rennstall Fotografen in der Boxengasse, die Tausende Fotos von den Autos machen würden, um diese dann zu analysieren und die besten Ideen zu kopieren, berichtet Brawn weiter. „Wir gaben unseren Fotografen eine Einkaufliste“, erinnerte er sich.

Hinzu kommt, dass die Bremsbelüftungen bis 2019 noch nicht zu den sogenannten gelisteten Teilen zählten, die ein Rennstall unbedingt selbst kreieren muss. Sie wurden erst in diesem Jahr auf diese Liste gesetzt. Und Racing Point hatte Zugang zu den Daten im vergangenen Jahr. „Es wäre unlogisch zu denken, dass sie ihre Erinnerungen einfach löschen können.“ Es sei ein verzwicktes Problem, das die Experten des Weltverbandes zu lösen hätten, befand Brawn.

Racing Point düpiert Formel-1-Konkurrenz - und ruft Renault auf den Plan

Ursprungsartikel vom 20. Juli: Ausgestattet mit Mercedes-Komponenten, hat sich der Formel-1-Rennstall Racing Point innerhalb kurzer Zeit zu einem Topteam der „Königsklasse“ entwickelt. Der Nachfolger des insolventen Teilnehmers Force India kämpft in der F1 2020 bereits aussichtsreich um die Podestplätze und lässt arrivierte Ikonen wie Ferrari nach der Corona-Pause alt aussehen.

Allerdings kommt der Erfolg zwar ein wenig überraschend, jedoch nicht unabhängig: Schließlich ruft die Eigenschaft als Mercedes-Kunde die Konkurrenz auf den Plan - und die Frage nach der Verknüpfung mit dem Weltmeister-Rennwagen von 2019. Denn der Mercedes W10 hat immerhin den Konstrukteurs-WM-Titel auf dem Konto - und die Frage ist, ob es sich bei dem Gefährt von Racing Point (RP20) um eine Kopie handelt.

So könnte es sein, dass die Erfolge der Fahrer Lance Stroll und Sergio Perez umsonst sein werden: Wie schon nach Österreich, hat Renault auch nach dem Ungarn-GP in Budapest bei der FIA Protest eingelegt - es geht speziell um die Bremskühlschächte. Bei den pinkfarbenen Rennwagen werden nach Ansicht der Franzosen illegale Komponenten verwendet, die identisch mit denen von Weltmeister Mercedes-AMG Petronas seien.

"Ist es zulässig, Teile oder geometrische Daten von einem anderen Team zu bekommen oder nicht? Wir denken nämlich nicht, dass das das richtige Modell für die künftige Formel 1 ist", sagte Renault-Direktor Marcin Budkowski am Rande des Rennens. Mit einem Ergebnis der laufenden Untersuchung wird in einigen Wochen gerechnet.

Red Bull über FIA-Urteil: „...Dann werden wir mit Alpha Tauri nachlegen“

Ex-Weltmeister Red Bull verfolgt die juristische Untersuchung in der Zuschauerrolle - kündigt jedoch schon jetzt Konsequenzen an, sollte die FIA für die Praxis von BWT Racing Point „Grünes Licht“ erteilen. "Wir hoffen, dass dann endlich Klarheit herrscht. Und wenn der Racing Point für legal erklärt wird, dann werden wir mit Alpha Tauri nachlegen und dasselbe tun. Dann gibt es nächstes Jahr mindestens vier Mercedes, vier Red Bull und vielleicht auch bis zu sechs Ferrari in der Startaufstellung", posaunt der Motorsportchef des österreichischen Rennstalls gegenüber SPORT1.

Wie Marko ausführt, profitierte Red Bull Racing einst selbst von einer ausgeprägten Adaption der Werksteams auf die Kundenteams: "Nur so war es 2008 möglich, dass Sebastian Vettel* in Monza mit dem Toro Rosso siegen konnte.“ Diese Praxis ist mittlerweile jedoch untersagt - eigentlich. Die Ausnahme gilt für wenige Bauteile wie Aufhängungen oder die Lenkung. "Ein positives Urteil würde unserem zweiten Team Geld sparen und es gleichzeitig konkurrenzfähig machen", führt der 77-jährige Marko aus.

Kopier-Debatte in der F1: Werden Teams wie Renault und McLaren abgehängt?

Während also Teams wie Mercedes, Ferrari und auch Red Bull einer derartigen Entwicklung offenbar sorgenfrei entgegenblicken, bereitet Renault und McLaren die Thematik Unbehagen, wie das Portal weiter schildert. "Soll die Formel 1 wirklich eine Kopiermeisterschaft werden?", fragt Andreas Seidl, Teamchef von McLaren. Das britische Team erwischte selbst einen überzeugenden Start in die F1-Saison 2020 und befindet sich derzeit hinter Mercedes auf dem zweiten Platz der Konstrukteurswertung.

Und Racing Point? Der Rennstall tritt ab 2021 ohnehin als Werksteam von Aston Martin an - und das möglicherweise mit Sebastian Vettel, der mit der Scuderia derzeit in der Krise steckt. (PF mit dpa)

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