Bayerns dunkle Erinnerung an 1999

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Konsterniert: Mehmet Scholl, Oliver Kahn und Michael Tarnat (von links) unmittelbar nach dem 1:2 gegen ManU 1999.

München - Der FC Bayern hat in seinen bisherigen zehn Endspielen im Europacup schon den einen oder anderen bitteren Moment erlebt. Das Drama von 1999 gegen Manchester United stellt aber alles in den Schatten.

Mario Basler setzte sich nach seiner Auswechslung in der 89. Minute schon die Siegerkappe auf, Betreuer Charly Ehmann brachte den Champagner-Kübel an die Außenlinie - alles war angerichtet für die große Feier. Doch dann passierte an jenem 26. Mai 1999 das Unvorstellbare: Bayern München verspielte in der Nachspielzeit gegen Manchester United in nur 102 Sekunden den schon sicher geglaubten Champions-League-Titel und stürzte in ein Tal der Tränen.

Noch heute gilt das 1:2 bei den Fans, Spielern und Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters als „Mutter aller Niederlagen“. Dabei hatten sich die Bayern nach dem 1:0 durch Baslers Freistoß (6.) im Camp Nou von Barcelona schon am Ziel gewähnt, doch Teddy Sheringham (90.+1) und Ole-Gunnar Solskjaer (90. +3) rissen die Münchner mit ihren Last-Minute-Treffern aus allen Träumen. Trainer Ottmar Hitzfeld spricht noch heute von einem „Stich ins Herz“.

Das Bayern-Trauma von Barcelona 1999

Bayern-Trauma: Das Finale der Champions League 1999

Das Finale der Champions League 1999
Das Nou Camp in Barcelona sollte die Bühne der Krönung einer überragenden Saison des FC Bayern werden. Vor 98 000 Zuschauern sollte gegen Manchester United nach 1976 endlich wieder dir Krone des europäischen Klub-Fußballs nach München geholt werden. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Es begann vielversprechend. Mario Basler legte sich in der 6. Minute den Ball zum Freistoß zurecht. ManU-Keeper Peter Schmeichel rechnete mit einem heber über die mauer, doch Basler zielte auf das Torwart-Eck, das Schmeichel verließ... © dpa
Das Finale der Champions League 1999
... und traf zur frühen Bayern-Führung. Stefan Effenberg und Sammy Kuffour feiern mit dem Torschützen, der eine Klasse-Leistung ablieferte. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Gary Neville im Kopfballduell mit Alexander Zickler. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Lothar Matthäus dirigert sein Team, das mehrere Großchancen ungenutzt ließ. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Wieder ist Zickler schneller am Ball - diesmal gegen Ronny Johnson. Der Sekt konnte kaltgestellt werden, die 90. Minute lief. Doch dann kam die erste Minute der Nachspielzeit... © ap
Das Finale der Champions League 1999
Die Bayern bekommen nach einer Ecke den Ball nicht weg, der eingewechselte Teddy Sheringham trifft zum Ausgleich. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Die Ecke kam von David Beckham , der wenig später (90.+3) erneut an die linke Eckfahne trabte. Eigentlich hatten sich alle anwesenden schon auf eine Verlängerung eingestellt. Doch dieser Eckstoß sollte zum Todesstoß führen. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Beckham bringt die Ecke hoch herein, Sheringham verlängert und Ole Gunnar Solskjaer bugsiert mit einem Reflex mit dem rechten Fuß den Ball unter die Latte. Der Jubel kannte keine Grenzen mehr bei den Inselkickern. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Michael Tarnat, Oliver Kahn und Mehmet Scholl sind am Boden . Trotz der dreifachen Absicherung bei der Ecke fiel noch das 1:2. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Einfach unglaublich. Hier feiern Stürmerstar Dwight Yorke und der damals 24-jährige David Beckham nach dem Abpfiff. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Mehmet Scholl muss tatenlos zusehen, wie die Spieler von ManU ausgelassen feiern. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Carsten Jancker und Stefan Effenberg können es nicht fassen. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Stefan Effenberg schwor sich noch in der Nacht, den Pott ein anderes Mal zu holen - zwei Jahre später sollte er als Kapitän den Cup holen. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Der verletzte Bixente Lizarazu versucht Carsten Jancker zu trösten - vergeblich. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Trainer Ottmar Hitzfeld läuft in Gedanken versunken an Markus Babbel vorbei. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Dem Pokal so nah und doch so fern. Bei der Siegerehrung müssen die Bayern-Spieler an der Trophäe, die sie fast schon sicher hatten, vorbei. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
Und dann hatte Manchester den Pokal... © ap
Das Finale der Champions League 1999
... und feierte ausgelassen den nicht für möglich gehaltenen Triumph. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Für ManU war es der zweite CL-Sieg nach 1968. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Er brachte das Team auf die Siegerstraße: Teddy Sheringham mit dem Cup mit den großen Ohren vor der ManU-Fankurve. © dpa
Das Finale der Champions League 1999
International: Zwei Norweger in englischen Trikots in einem spanischen Stadion mit dem europäischen Pokal. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Der Vater des Erfolgs ist der langjährige Trainer Alex Ferguson. Am 20. Juli 1999 schlug ihn Queen Elisabeth II . zum Ritter. © ap
Das Finale der Champions League 1999
Während die deutschen Zeitungen den Last-Minute-K.O. des FC Bayern betrauerten... © ap
Das Finale der Champions League 1999
... kannten die englichen Gazzetten kein Halten mehr und feierten den Sieg ManUs als historischen Triumph. © ap

Basler verschwand nach der Tragödie umgehend in der Kabine, wo er auf einen völlig fassungslosen „Kaiser“ Franz Beckenbauer traf, der von der Tribüne eigentlich zum Jubeln nach unten geeilt war. „Franz, ist das wahr oder träum' ich?“ - „Ja, Mario, das ist wahr.“ Danach habe man sich „einfach in Ruhe leiden lassen“, sagte Basler Jahre später.

Auf die Siegerehrung verzichteten beide. Beckenbauer und Basler wollten nicht mitansehen, wie United-Kapitän Peter Schmeichel den silbernen Henkel-Pokal in die Höhe stemmte. „Das war die grausamste Niederlage, weil wir so nah dran waren“, sagt der damalige Präsident Beckenbauer.

Ein Niederlage mit Folgen. Vor allem Lothar Matthäus, der sich in der 80. Minute wegen Erschöpfung hatte auswechseln lassen, gerät bei den Mitspielern ins Visier. Stefan Effenberg und Mehmet Scholl werfen dem Rekordnationalspieler unverblümt vor, sich im entscheidenden Moment aus dem Staub gemacht zu haben. Auch der Trainer muss sich fragen lassen: „Hat Hitzfeld den Sieg ausgewechselt?“

Wie auch immer. Was bleibt, sind einer der bittersten Momente der ansonsten sehr erfolgreichen Münchner Vereinsgeschichte und die „härteste Niederlage, die man als Spieler wohl erleben kann“ (Torwart Oliver Kahn). Allerdings gilt das Trauma von Barcelona auch als Grundstein für den Erfolg 2001 gegen den FC Valencia. Dieses Spiel hätte Bayern nicht gewonnen, „wenn es Barcelona nicht gegeben hätte“, sagt etwa Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Eine ähnliche Dramatik wie in Barcelona hat der FC Bayern bei seinen drei weiteren Final-Niederlagen nicht erlebt. Das 0:2 gegen Inter Mailand vor zwei Jahren etwa tat weitaus weniger weh, zu klar waren in Madrid die Kräfteverhältnisse. Was blieb, waren schlechte Erinnerungen an den Doppeltorschützen Diego Milito.

Auch das 1:2 1987 in Wien gegen den FC Porto war eng mit einem Spieler des Gegners verbunden. Das Hackentor von Rabah Madjer zum zwischenzeitlichen 1:1 in der 78. Minute - Ludwig Kögl hatte die klar favorisierten Bayern in Führung gebracht (25.) - genießt Legendenstatus. Dass der Siegtorschütze Juary hieß, geriet in Vergessenheit.

„Wir waren vom Papier her besser, aber heute denken da alle nur noch an das Tor von Rabah Madjer. Mit der Hacke. Unglaublich. Heute können wir darüber lachen, wir sind gute Freunde“, erzählt der damalige Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff.

Unglücklich war auch das 0:1 im Jahr 1982 gegen Aston Villa in Rotterdam. Die Bayern stürmen, sind klar überlegen - Peter Withe (67.) trifft. Für die Münchner ist es eine Premiere: Nach dem Sieg 1967 im Europapokal der Pokalsieger und den Triumphen im Landesmeister-Cup 1974, 1975 und 1976 ist es die erste Final-Niederlage der Vereinsgeschichte.

Die bitterste sollte aber erst 17 Jahre später folgen.

sid

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