Coronavirus-Pandemie

Polit-Gipfel in Berlin: Fußball hofft auf positive Signale

Erhofft sich von der Politik ein positives Signal für die angestrebte Rückkehr der Fans in die Stadien: Fritz Keller. Foto: Arne Dedert/dpa
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Erhofft sich von der Politik ein positives Signal für die angestrebte Rückkehr der Fans in die Stadien: Fritz Keller. Foto: Arne Dedert/dpa

Der Fußball hat in der Corona-Krise ein Stück seiner Selbstbestimmung verloren. Die große Linie wird von der Politik und den Gesundheitsexperten vorgegeben. Entsprechend groß ist die Spannung vor dem nächsten Gipfel.

Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Fußball blickt einmal mehr erwartungsvoll nach Berlin, auf den Politik-Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten.

Die gesamte Branche von den Amateuren bis zu den Profis erhofft sich an diesem Donnerstag ein positives Signal für die angestrebte Rückkehr der Fans in die Stadien. "Ich bin gespannt", sagte DFB-Präsident Fritz Keller.

Angesichts der steigenden Infektionszahlen in Deutschland wäre es schon ein kleiner Erfolg, wenn die Spitzenpolitiker bei der Videokonferenz nicht am Status quo rütteln. Immerhin darf Stand jetzt in etlichen Bundesländern von der Bundesliga bis zur Regionalliga der Ball wieder vor Zuschauern rollen - wenn auch nur in sehr begrenzter Anzahl. Die Hoffnung der Funktionäre lautet daher: Nur kein neues Generalverbot von Großveranstaltungen.

Das würde die Umsetzung der ehrgeizigen Pläne vor allem des Profifußballs weiter zurückwerfen. Zuletzt hatte es aus der Politik klare Absagen für eine angestrebte Fan-Rückkehr in die Arenen schon zum Saisonstart Mitte September gegeben.

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummennige machte daher noch einmal kräftig Werbung für den Fußball. "Es gibt ja eine Fußballkultur. Und dazu gehört auch Emotion und Atmosphäre im Stadion. Die ist ohne Zuschauer ganz einfach nicht gegeben. Deshalb müssen wir alle ein großes Interesse daran haben, dass so zeitnah wie möglich Zuschauer wieder im Stadion zugelassen werden", sagte der 64-Jährige der "Bild"-Zeitung.

Ähnliche Appelle kommen aus der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes. "Wie es aussieht, müssen wir noch länger mit der Pandemie leben", sagte DFB-Chef Keller und betonte: "Die Amateurvereine leiden sehr darunter. Die Zuschauer sind ihre Haupteinnahme-Quelle. Natürlich geht die Gesundheit vor. Aber letztlich müssen wir auch an Systemen arbeiten, wie wir irgendwann mal wieder Zuschauer in die Stadien kriegen."

So wie es die UEFA vormacht. Beim Supercup zwischen Champions-League-Triumphator Bayern München und Europa-League-Sieger FC Sevilla am 24. September in Budapest sollen mehrere Tausend Fans zugelassen werden. "Wir hoffen, den Supercup als Pilotprojekt nutzen zu können", kündigte UEFA-Boss Aleksander Ceferin an.

Angesichts des monatelangen Ausnahmezustands mit dem zeitweiligen kompletten Stillstand, ständigen Corona-Tests und Geisterspielen ist die Sehnsucht bei den Vereinen nach einem Stück Normalität groß. "Wir alle als Fußballer haben in den letzten Monaten schmerzlich gemerkt, wie entscheidend Fans sind, wie entscheidend es ist, dass das Stadion voll ist, weil das den eigentlichen Reiz des Spiels ausmacht. Ich sehne den Tag herbei, wo die Fans wieder da sind", sagte Werder Bremens Trainer Florian Kohfeldt der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die Fans hoffen darauf, ihre Lieblinge in absehbarer Zeit wieder vor Ort anfeuern zu können. "Wir lieben unsere Vereine manchmal mehr als unsere Familien. Natürlich vermissen wir die Stadion-Atmosphäre und würden gerne wieder unsere Fankultur im Stadion ausleben", sagte Jan-Henrik Gruszecki, Sprecher der Initiative "Unser Fußball", in der sich immerhin 2632 Fanclubs zusammengeschlossen haben. Alle wissen jedoch, was Werder-Coach Kohfeldt klar aussprach: "Entscheidend ist das, was Politiker und Experten sagen und nicht das, was wir uns wünschen."

© dpa-infocom, dpa:200826-99-315197/2

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