Verflixte linke Seite: Jetzt versucht's Schmelzer

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Marcel Schmelzer ist der nächste, der sich auf der linken Problemseite versuchen darf. Der Dortmunder überzeugte bisher in den bisher 27 Ligaspielen.

Düsseldorf - Die Achillessehne der deutschen Nationalmannschaft ist die linke Verteidigerposition. Seit Philipp Lahm auf rechts spielt, hat sich kein gleichwertiger Ersatz gefunden. Das hat aber Tradition.

Es ist die Problemzone Nummer eins in Deutschlands wichtigster Fußballmannschaft - jetzt darf sich Dortmunds Aufsteiger Marcel Schmelzer zum zweiten Mal hinten links versuchen. “Ich spiele einfach drauf los“, beschrieb der ehemalige Magdeburger, wie er auch seine Aufgabe im Testspiel des deutschen Nationalteams am Dienstag gegen Australien angehen will.

Mit dieser Maxime ist Schmelzer bereits beim BVB in die Stammelf gestürmt und mit all seinen jungen Kollegen auf dem besten Weg zur deutschen Meisterschaft. “Bei mir ist alles sehr schnell gegangen in letzter Zeit, so dass ich gar nicht zum Nachdenken gekommen bin“, erklärte Schmelzer am Montag. Wie sensibel die Besetzung der linken Position in der Abwehrkette ist, verdeutlichte eine Reaktion von Routinier Arne Friedrich. Ob er auch schon einmal auf dieser Position gespielt habe und ob das vielleicht etwas für ihn sei, wurde der 31-jährige WM-Spieler gefragt. “Neee“, sagte Friedrich, was so ähnlich klang wie bloß nicht. Friedrich verwies bei der Pressekonferenz des DFB auf Schmelzer: “Das macht der Marcel schon.“

Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten

Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Uwe Seeler, Debüt am 16.10.1954 mit 17 Jahren und 11 Monaten, gegen Frankreich (1:3), insgesamt 72 Länderspiele © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Mario Götze, Debüt am 17.11.2010 mit 18 Jahren und 5 Monaten gegen Schweden (0:0). Noch aktiv. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Olaf Thon am 16.12.1984 mit 18 Jahren und sieben Monaten gegen Malta (3:2), insgesamt 52 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Lukas Podolski am 06.06.2004 mit 19 Jahren gegen Ungarn (0:2). Noch aktiv. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Karl-Heinz Schnellinger am 02.04.1958 mit 19 Jahren gegen die CSSR (2:3), insgesamt 47 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Helmut Haller am 24.09.1958 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Dänemark (1:1), insgesamt 33 Länderspiele. Vier Jahre zuvor gab Klaus Stürmer am 16.10.1954 mit 19 Jahren und zwei Monaten sein Debüt gegen Frankreich (1:3), insgesamt zwei Länderspiele - hier die WM-Elf von 1954 aus dem gleichen Jahr. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Lothar Matthäus am 14.06.1980 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen die Niederlande (3:2), insgesamt 150 Länderspiele  © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Marko Marin am 27.05.2008 mit 19 Jahren und zwei Monaten gegen Weißrussland (2:2), noch aktiv. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Ludwig Kögl am 15.06.1985 mit 19 Jahren und drei Monaten gegen Mexiko (0:2), insgesamt zwei Länderspiele (Kögl ist hier bei einem Altstars-Spiel zwischen dem FC Bayern und Real Madrid zu sehen). © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Bernd Schuster, Debüt am 22.05.1979 mit 19 Jahren und fünf Monaten gegen Irland (3:1), insgesamt 21 Länderspiele. © dpa
Teenager in der DFB-Elf: Die jüngsten Debütanten
Karlheinz Förster, Debüt am 05.04.1978 mit 19 Jahren und acht Monaten gegen Brasilien (0:1), insgesamt 81 Länderspiele. © dpa

Seit Jahren probieren es deutsche Fußballer auf der linken Außenbahn: Dennis Aogo, Schmelzer selbst, Heiko Westermann, Marcell Jansen und Marcel Schäfer hießen die Probanden allein in den acht Länderspielen nach der WM. Einmal wurde auch Philipp Lahm zurückversetzt von rechts nach links außen. In Südafrika hatten sich Aogo, Jérome Boateng, Holger Badstuber und aushilfsweise auch Jansen dort versucht. Doch es blieb immer die verflixte linke Nummer.

Warum nur? “Es gibt sehr wenige Fußballer mit starkem linken Fuß, die dann auch noch offensiv spielen“, glaubt Schmelzer, der sich aktuell mit dem Hamburger Aogo ein Duell um den vakanten Stammplatz liefert. “Diese beiden Spieler besitzen Vorteile“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. “Mit Dennis habe ich schon in der U 21 gespielt. Jeder wird sein Bestes tun, um zu spielen. Trotzdem gibt es keine Differenzen“, beschrieb Schmelzer die Konkurrenzsituation.

Die neuen Nutella-Boys: Wer schmiert als Nächster ab?

Das sind die neuen Nutella-Boys: Laut "Sport Bild" darf unter anderem Benedikt Höwedes bald im Fernsehen sein Brot schmieren © 
Bei Schalke 04 gehört Höwedes bereits zu den Stützen des Teams
Bei Schalke 04 gehört Höwedes bereits zu den Stützen des Teams © 
Auch Mesut Özil soll der Kampagne vor der WM sein Gesicht geben
Auch Mesut Özil soll der Werbekampagne vor der WM sein Gesicht geben © dpa
Nutella-Fluch
Er ist der DFB-Überflieger des Jahres 2009 © Getty
Nutella-Fluch
Auch Mats Hummels, bisher Leistungsträger der U21, ist ab sofort Nutella-Boy © Getty
Nutella-Fluch
Mats Hummels © Getty
Nutella-Fluch
...und schließlich mischt auch Manuel Neuer mit, der schon früher im Fernsehen Nutella aufs Brot schmierte  © dpa
Süße Haselnusscreme und süße Jung-Nationalspieler - eigentlich eine Kombination, die passt. Doch wie jetzt Jermaine Jones ereilte viele Nutella-Boys nach dem TV-Spot der Karriere-Knick. © dpa
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JERMAINE JONES: Der Schalker durfte in einem TV-Spot ran und auch dreimal für Deutschland in Freundschaftsspielen auflaufen. © dpa
Nutella-Fluch
Dann wurde er von Joachim Löw ausgebootet, entschied sich, zur US-Nationalelf zu wechseln und mit diversen zweifelhaften Äußerungen gegen Löw, seine Kollegen und die deutsche Mentalität die Öffentlichkeit gegen sich aufzubringen. © dpa
Nutella-Fluch
TIM BOROWSKI: Der damalige Bremer Leistungsträger war bei der WM 2006 Deutschlands "zwölfter Mann", wurde immer gleich eingewechselt, wenn Jürgen Klinsmann frischen Schwung brauchte. Mit seiner Vorlage auf Miroslav Klose im Viertelfinale gegen Argentinien brachte er Deutschland in die Verlängerung. © dpa
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Nach seinem zwischenzeitlichen Wechsel zum FC Bayern ist er auch im Verein nur noch Ergänzungsspieler. Und in der Nationalmannschaft längst außen vor. © dpa
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ANDREAS HINKEL: Der Rechtsverteidiger (hinten) war einer der "jungen Wilden" beim VfB Stuttgart und entfesselte entlang der Seitenlinie unter Rudi Völler (r.) auch im DFB-Trikot mächtig Wirbel. Zunächst. © dpa
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Zum FC Sevilla würde er aber wohl nicht noch einmal wechseln. Von 2006 bis 2008 lernte er im sonnigen Spanien die Schattenseiten einer Fußball-Karriere kennen. Inzwischen darf er aber nicht nur im Verein (jetzt SC Freiburg) wieder regelmäßig ran, sondern auch im Deutschland-Jersey. © dpa
Nutella-Fluch
KEVIN KURANYI: Der junge Himmelsstürmer vom VfB Stuttgart debütierte unter Rudi Völler in der Nationalmannschaft und begeisterte auch dort mit Treffern wie am Fließband. © dpa
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Später war er in der Nationalelf nur noch Ergänzungsspieler. Schließlich der Eklat: Als er mal wieder bei einem DFB-Spiel nur einen Tribünenplatz inne hatte, verließ er wortlos das Stadion und wurde von Joachim Löw aus der Nationalmannschaft geworfen. © dpa
Nutella-Fluch
BENJAMIN LAUTH: Er sorgte beim TSV 1860 München für Furore, schoss nicht nur Tore, sondern zog auch Sympathien auf sich und wurde in die Nationalelf berufen. © dpa
Nutella-Fluch
Nach dem Spot kam der große Karriere-Knick. Weder beim HSV, noch beim VfB Stuttgart oder Hannover 96 konnte er an alte Leistungen anknüpfen. Erst seit seiner Rückkehr in die Heimat zum TSV 1860 München läuft's wieder besser bei "Benny-Bomber" - allerdings eben in der zweiten Liga statt in der Nationalelf. © dpa
Nutella-Fluch
TOBIAS WEIS: Nach einer furiosen Hinrunde mit 1899 Hoffenheim hat Joachim Löw auch den "Kraichgau-Gattuso" nominiert. Prompt durfte er sich auf der Mattscheibe auch Haselnusscreme aufs Brot schmieren. © dpa
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Danach konnte er sich zunächst die Nationalelf-Karriere abschmieren und wurde nicht mehr eingeladen. © dpa
Nutella-Fluch
NICHT ABGESCHMIERT: Keiner weiß, wie sie es machen, aber einige scheinen nach einem TV-Spot dem vermeintlichen "Nutella-Fluch" hartnäckig zu trotzen und (noch?) ohne große Karriere-Knicks auszukommen. So etwa Arne Friedrich © dpa
Nutella-Fluch
oder Marcell Jansen. Mal sehen, ob Höwedes, Neuer, Özil und Hummels den Bann brechen können © dpa

Das Problem mit dem linken Außenverteidiger hat Löw geerbt. Auch seine Vorgänger plagten sich mit der Besetzung der Position, wo die Weltmeister Paul Breitner und Andreas Brehme einst Maßstäbe setzten. Jürgen Klinsmann stellte erfolglos Thomas Hitzlsperger dort hin - sogar Bastian Schweinsteiger und Bernd Schneider mussten aushelfen. Rudi Völler beorderte in seiner Amtszeit unter anderen Christoph Metzelder, Tobias Rau und Michael Hartmann nach links hinten. Auch Torsten Frings spielte dort den Feuerwehrmann.

Keine Diskussionen gab es jüngst eigentlich nur, als Lahm die linke Seite einnahm und dort zum Weltklassespieler aufstieg. Inzwischen fühlt sich der Münchner selbst auf der rechten Seite besser aufgehoben - viele Experten sehen das anders. “Man hat keine zwei Philipp Lahms. Wir sind zufrieden, wie er derzeit seine Position ausfüllt“, sagte dazu am Montag Löw-Assistent Hansi Flick. So geht die Suche nach dem idealen Typ für links munter weiter.

dpa

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