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Nach Achtelfinal-Aus bei der WM: Personeller Kahlschlag beim spanischen Verband

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Von: Stefan Schmid

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Nach dem Ausscheiden der spanischen Nationalmannschaft im Achtelfinale der WM musste zuerst der Trainer seinen Hut nehmen, jetzt folgt ihm der Sportdirektor.

Madrid/Doha – Nicht nur in Deutschland hat man sich die WM 2022 anders vorgestellt, auch in Spanien dürfte die Enttäuschung groß sein. Bereits im Achtelfinale war nach dem verlorenen Elfmeterschießen gegen Marokko Schluss für La Furia Roja und das zieht jetzt weitreichende personelle Konsequenzen nach sich.

Bereits Donnerstagmittag wurde bekannt, dass der Vertrag von Trainer Luis Enrique nicht verlängert werden wird. Dasselbe Schicksal ereilte wenige Stunden später Sportdirektor José Francisco Molina. Mit der Verkündung der beiden Entscheidung wurde sogleich Nägel mit Köpfen gemacht und je ein Nachfolger benannt.

Nachwuchsexperte de la Fuente folgt auf Enrique

Schon während der Weltmeisterschaft stand Spaniens Nationaltrainer Luis Enrique in der Kritik. Der Vorwurf an den erklärten Tiki-Taka-Freund: Seine Mannschaft sei zu verspielt und er stelle die Spielphilosophie über Effektivität und Erfolg. In der Tat konnte sein Team überdurchschnittlich hohe Passquoten vorweisen – alleine beim Spiel gegen Marokko kamen 91 % der über 1000 gespielten Pässe an. Ein Tor sollte den Spaniern in diesem Spiel allerdings nicht gelingen.

Nun hat man sich bei der Real Federación Española de Fútbol (RFEF), dem spanischen Fußballverband, dafür entschieden, den am Jahresende auslaufenden Vertrag mit Enrique nicht zu verlängern. Sein Nachfolger wird der bisherige U21-Coach Luis de la Fuente, der aufgrund seiner Erfolge in den U-Teams (Europameister mit der U19 und U21) als ausgemachter Nachwuchsexperte gilt. Die Wahl von de la Fuente dürfte mit einem Blick auf den spanischen Kader nicht die schlechteste sein, denn dort tummeln sich unter anderem mit Gavi (18) und Pedri (20) vom FC Barcelona wahre Rohdiamanten.

Molina überbringt Enrique dessen Aus und muss dann selber gehen

In der Presseerklärung des RFEF zur Trainerentlassung heißt es noch, dass „sowohl Präsident Luis Rubiales als auch Sportdirektor José Francisco Molina dem Trainer diese Entscheidung mitgeteilt haben.“ Kurz darauf am Donnerstagabend folgt dann die Verkündung, dass auch Sportdirektor Molina Ende des Jahres seinen Posten räumen muss. Wie bei Enrique läuft auch dessen Vertrag nur noch bis Ende des Jahres und wie bei dem Trainerposten steht auch hier schon der Nachfolger fest.

Jose Francisco Molina (links) und  Luis Enrique (rechts) müssen ihren Hut nehmen. Übrig bleibt Präsident Luis Rubiales.
Jose Francisco Molina (links) und Luis Enrique (rechts) müssen ihren Hut nehmen. Übrig bleibt Präsident Luis Rubiales. © IMAGO/Jose Breton

Das Amt des Sportdirektors, welches seit 2018 von Molina besetzt gewesen war, wird Albert Luque übernehmen. Der ehemalige spanische Nationalspieler ist im Bereich des Fußballmanagements noch ein unbeschriebenes Blatt. Während seiner Profi-Laufbahn bestritt der 44-jährige Spanier die meisten seiner über 350 Einsätze für Deportivo de La Coruña in der Primera División.

Scheidender Trainer Enrique verabschiedet sich mit Appell an Fans

Zumindest Luis Enrique scheint keinen Groll aufgrund seines Ausscheidens aus dem Traineramt zu hegen. In Form eines öffentlichen Schreibens hat sich der Trainer bereits von seiner Mannschaft verabschiedet und dabei die Schuld für das schlechte Abschneiden bei der WM auf sich genommen. „Die Spieler waren Vorbilder in ihrem Verhalten und sind unserer Spielidee gefolgt. Ich bedauere, dass ich ihnen nicht mehr helfen konnte.“

Auch beim Verband bedankte sich Enrique, der die Zeit als Nationaltrainer weiter in höchsten Ehren hält. „Es war sehr besonders, ein Teil davon gewesen zu sein.“ Auch an die Fans richtete er Worte, in denen er um Unterstützung für seinen Nachfolger bittet. „Auf geht‘s Spanien! Für immer. Danke!“, verabschiedete er sich schließlich. Ähnliche Worte waren von Oliver Bierhoff in Richtung DFB noch nicht zu vernehmen und auch sein Nachfolger steht noch nicht fest. Gut möglich, dass dessen Aufgaben in Zukunft auf mehrere Schultern verteilt werden. (sch)

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