Handball-EM

Nach der heftigen Spanien-Pleite: Die Niederlage muss rasch aus den Köpfen

Gefrustet: Der deutsche Rechtsaußen Tobias Reichmann verlässt das Spielfeld in Trondheim.
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Gefrustet: Der deutsche Rechtsaußen Tobias Reichmann verlässt das Spielfeld in Trondheim.

Die deutschen Handballer treffen am Montag (13.01.2020) ab 18.15 Uhr auf Lettland. Das Team von Bundestrainer Christian Prokop muss sich nach der Spanien-Pleite deutlich steigern.

  • Die deutsche Mannschaft muss sich bei der Handball-EM gegen Lettland deutlich steigern.
  • Spieler müssen die heftige Spanien-Pleite schnell aus den Köpfen kriegen.
  • Die DHB-Auswahl braucht gegen Lettland einen Sieg.

Als die deutschen Handballer am Sonntagmittag (12.01.2020) nach dem Training aus der ein paar Kilometer entfernten Kolstad Arena ins Teamhotel Scandic Lerkendal in Trondheim zurückkehrten, war wieder ein bisschen mehr Zuversicht zu spüren. „Wir haben alles noch in der eigenen Hand“, erklärte Rechtsaußen Tobias Reichmann trotzig. „Aber das Spanien-Spiel muss jetzt rasch aus den Köpfen.“

Nicht einmal 24 Stunden zuvor hatte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) eine heftige 26:33-Niederlage gegen den EM-Titelverteidiger von der iberischen Halbinsel einstecken müssen. Was insofern noch schmerzhafter ist, als der Einzug in die Hauptrunde in Wien noch längst nicht gesichert ist. Das Team von Bundestrainer Christian Prokop benötigt imletzten Gruppenspiel* am Montag (13.01.2020) ab 18.15 Uhr (ZDF) gegen Europameisterschafts-Neuling Lettland einen Sieg.

Das deutsche Team muss sich bei der Handball-EM besser präsentieren

Dafür muss sich der Olympia-Dritte von Rio allerdings von einer anderen Seite präsentieren als gegen die Spanier. Allein die Fehlerzahl in den ersten zehn Minuten hätte für mehr als ein Spiel gereicht. „Wir hatten eine sehr schwache Startphase“, räumte Prokop ein.

Dabei waren die Probleme durchaus vielschichtig. Der Angriff – vergeblich auf der Suche nach Passsicherheit. Die Abwehr – oft nicht im Bilde. Die Torhüter Andreas Wolff und Johannes Bitter – weit entfernt von Normalform. Und Uwe Gensheimer, der Kapitän – komplett abgetaucht.

Auch wenn die deutsche Mannschaft aus bekannten Gründen nicht ihr bestes Personal für den paneuropäischen Titelkampf zur Verfügung hat – dass der Abstand zu den Iberern so groß sein würde, das war so nicht zu erwarten. „Wir haben nicht zu unserem Spiel gefunden, uns wurden die Grenzen aufgezeigt“, stellte der Melsunger Reichmann ernüchtert fest. „Die Spanier haben aber auch sehr clever gedeckt.“

Die Spanier bereiteten der DHB-Auswahl bei der Handball-EM gehöriges Kopfzerbrechen

Tatsächlich gelang es der Mannschaft von Jordi Ribera mit einer sehr offensiven 5:1-Verteidigung, dem Kontrahenten gehöriges Kopfzerbrechen zu bereiten. Zwar hatte die deutsche Mannschaft mit dieser Gegenwehr gerechnet, die Rückraumakteure nutzten aber zu selten die daraus entstehenden Räumen. Viel zu selten wurden die 1:1-Situationen gesucht. „Wir hätten mit voller Überzeugung in die Tiefe gehen müssen, statt ein paar Alibi-Kreuzungen einzubauen“, sagte Reichmann.

Insbesondere die für ihre Dynamik gefürchteten Paul Drux, Philipp Weber und Fabian Böhm gaben die Verantwortung zu oft weiter. Und Kai Häfner, zwei Tage zuvor noch einer der Besten beim Auftakterfolg gegen die Niederlande, agierte bei einigen Vorstößen hektisch und zu glücklos. Beziehungsweise: Er scheiterte wiederholt am glänzend reagierenden Torwart Gonzalo Perez de Vargas, der hinter den erfahrenen Innenverteidigern Viran Morros und Gedeon Guardiola groß auftrumpfte.

Die Deutsche Nationalmannschaft muss sich bei der Handball-EM gegen Lettland steigern

Insgesamt zwölf Paraden wurden für die spanische Nummer eins registriert. Einen derartigen Rückhalt hatte das DHB-Team nicht zu bieten. Es reichte schon eine Hand, um die gehaltenen Bälle zu zählen.

„Gegen die Letten müssen sich bei uns aber alle steigern“, betonte Reichmann. Dass er und seine Kollegen es besser können, bewiesen sie Mitte des ersten Abschnitts. Aus einem 4:10-Rückstand machte der Europameister von 2016 ein 9:10. Es gab sogar kurz darauf die Chance zum Ausgleich. Dann aber verlor Drux den Ball beim Tempogegenstoß leichtfertig. Der Schwung der vorangegangenen Minuten – er war wieder dahin.

Vor vier Jahren unterlag die deutsche Nationalmannschaft auch in einer EM-Vorrunde den Spaniern. Danach trat sie allerdings einen beispiellosen Siegeszug an. Im Finale trafen die beiden Handball-Nationen erneut aufeinander. Dann jubelte das DHB-Team. Wenn es jetzt ähnlich laufen sollte, hätte niemand in der deutschen Mannschaft etwas dagegen. Doch ob wirklich Grund für Zuversicht besteht, wird sich heute Abend zeigen.

Die spanische Presse nahm nach der heftigen Niederlage kein Blatt vor den Mund*.

Von Björn Mahr

Derweil hat der WDR (TV) den Migrationsmangel im deutschen Handball kritisiert. Alice Weidel (AfD) schießt nun gegen den WDR via Twitter.

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