Handball-EM

EM-Aus für Frankreich: Totalschaden für den französischen Handball

Enttäuscht: Frankreichs Cedric Sorhaindo (links) und Ludovic Fabregas.
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Enttäuscht: Frankreichs Cedric Sorhaindo (links) und Ludovic Fabregas.

Unglaublich: Für Frankreichs Handballer ist die Europameisterschaft nach der Gruppenphase bereits beendet. Das EM-Aus ist ein Totalschaden für den französischen Handball. 

  • Die französische Nationalmannschaft ist bei der Handball-EM bereits ausgeschieden.
  • Michael Roth bezeichnet das EM-Aus als "Totalschaden".
  • Die Olympischen Spiele werden für Handball-Superstar Nikola Karabatic das wohl letzte große Turnier sein.

Au revoir les bleus. Schon vor dem letzten EM-Gruppenspiel heute ab 18.15 Uhr (Sportdeutschland.tv) gegen Bosnien-Herzegowina ist klar, dass sich die französische Handball-Nationalmannschaft vor der Hauptrunde aus dem Turnier verabschieden wird. Mit den Niederlagen gegen Portugal und Co-Gastgeber Norwegen haben die Blauen alle Chancen verspielt, zum vierten Mal Europameister zu werden.

Als „Totalschaden für den französischen Handball“ bezeichnet unser Experte Michael Roth das vorzeitige Aus der Equipe Tricolore. Zwar zählten die Franzosen durchaus zu seinem Favoritenkreis, das frühe Scheitern des Weltmeisters von 2017 kommt für den früheren deutschen Nationalspieler auch nicht ganz unerwartet. 

„Die Franzosen haben eine gewisse Grund-Arroganz. Sie denken immer, sie seien die Besten“, erklärt Roth. Nun seien sie für ihre Überheblichkeit abgestraft worden.

Roth: Frankreich fehlte die Eleganz bei der Handball-EM

Der 57-Jährige verweist in diesem Zusammenhang auf die Leistungen der Mannschaft bei den beiden vergangenen Turnieren. „Frankreich hat sich handballerisch nicht mehr weiterentwickelt“, sagt Roth – und das, obwohl das Team von Coach Didier Dinart bei der EM 2018 in Kroatien sowie der WM 2019 in Deutschland und Dänemark jeweils noch Bronze geholt hatte.

EM-Experte Michael Roth.

Von der spielerischen Eleganz früherer Jahre, bedauert der Experte, sei nicht mehr viel geblieben: „Ein Spieler wie Superstar Nikola Karabatic kommt nur noch über Kraft. Und wenn du es als Gegner schaffst, die Kraft zu stoppen, dann sind die Franzosen auch nur noch die Hälfte wert.“

Frankreich hatte bei der Handball-EM eine starke Vorrundengruppe

Nun hatten sie das Pech, die vermeintlich stärkste Vorrundengruppe zu erwischen. Laut Roth war es absehbar, dass es eine ambitionierte Mannschaft treffen wird: „Die Portugiesen haben international erheblich zugelegt. Sie haben es mit ihrem Auftaktsieg geschafft, dass bei den Franzosen viel Druck auf den Kessel kommt.“

Dabei spricht Roth von einer „guten Mischung“ in der französischen Mannschaft. Karabatic, Luc Abalo, Michael Guigou sowie Cedric Sorhaindo sind die letzten Verbliebenen aus Frankreichs Goldener Generation. Die Zukunft gehört Spielern wie Ludovic Fabregas, Elohim Prandi, Dika Mem und Melvyn Richardson. „Die Situation ist jetzt nicht einfach, aber sie bietet auch die Chance, Dinge zu verändern“, betont Roth. Er würde den Franzosen dazu raten, etwas demütiger die kommenden Aufgaben anzugehen.

Die Olympischen Spiele sind für Star Nikola Karabatic das wohl letzte große Turnier

Die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio sind voraussichtlich das letzte große Ziel von Nikola Karabatic. Im April stehen die Qualifikationsturniere für den Wettbewerb in Tokio an. Dann kann die Equipe Tricolore den verkorksten Start ins Handball-Jahr nicht vergessen machen, aber zumindest wichtige Signale für eine Trendwende senden. 

„Der jetzt verursachte Crash schlägt bis zu den Vereinen durch“, erläutert Roth. In Frankreich werden – anders als beispielsweise in Deutschland – die Klubs vom Staat subventioniert. Dort will man laut Roth aber auch Erfolge sehen. Ein kollektives Versagen ist da eher kontraproduktiv.

Die deutsche Mannschaft hat nach der heftigen Pleite gegen Spanien noch alles selbst in der Hand. Die Spieler glauben an die Wende.

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Video: Bei der letzten Handball-WM schnappten die Franzosen dem deutschen Team die Bronzemedaille weg

Von Björn Mahr

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