„Mehr erreicht, als wir uns als Außenseiter erträumt haben“

Amendinger U15-Floorballer werden bei deutscher Meisterschaft Fünfter 

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Memmingen – Die erste deutsche Floorballmeisterschaft in Memmingen ist Geschichte. Während sich in einem unerwartet deutlichen Finale der UHC Weißenfels durchsetzte und die nationale U15-Krone gestern Nachmittag nach Sachsen-Anhalt entführte, überzeugte der SV Amendingen nicht nur als Organisator und Gastgeber des Turniers, sondern auch auf dem Spielfeld. Ein Quäntchen Glück fehlte am Ende, um beim DM-Debüt gleich ins Halbfinale einzuziehen.

Wie schnell beim Floorball Tore fallen und wie nah deshalb auch Freud und Leid beieinander liegen, mussten die Gastgeber in ihrem entscheidenden Gruppenspiel erfahren. 9:4 hatten die „Stadtbach Piranhas“ gegen die Frankfurt Falcons schon zurückgelegen, als in den Schlussminuten insbesondere das Duo Georg Nusstein und Benedikt Föhr das Ruder nochmal herumriss. Dreimal hatte Kapitän und Antreiber Nusstein aus aussichtsreicher Schussposition nochmal quer gelegt und Föhr bedient, der nur noch einschieben musste – das letzte Mal vier Sekunden vor der Schlusssirene zum 9:9, das die 150 Zuschauer in der Sporthalle des BBZ in Ekstase versetzte. Zu diesem Zeitpunkt war aufgrund der Konstellation in der Vorrundengruppe klar: Würde der SVA das „Golden Goal“ in der fünfminütigen Verlängerung schießen, würde man als Gruppenzweiter noch ins Halbfinale einziehen. Von der Euphoriewelle der Vorminuten und den heimischen Fans getragen, erwischten die Piranhas den besseren Start und setzten sich immer wieder gut fest. Zunächst zischte ein Schuss nur Zentimeter am Tor vorbei, einmal streife der Plastikball sogar den Außenpfosten. Nach etwas mehr als einer Minute setzten die Falcons dann aber zum Konter an und spielten ihren Angriff sehenswert zu Ende. Moritz Hörbe, der nur noch einschieben musste, beendete Amendingens Traum vom Halbfinale.

Dass der SVA überhaupt in die komfortable Situation gekommen war, zu diesem Zeitpunkt noch um die Runde der besten Vier mitzuspielen, lag unter anderem daran, dass der Gruppensieger UHC Sparkasse Weißenfels souverän durch die Vorrunde marschiert war und seiner Favoritenrolle gerecht wurde. Alle drei Spiele gewannen die Jungs aus Sachsen-Anhalt zweistellig – gegen den SVA mit 14:1, wobei Georg Nussstein mit der Rückhand der Ehrentreffer und damit Amendingens erstes Tor bei einer deutschen Meisterschaft gelungen war.

Zwei Mal in der Verlängerung

Im zweiten Gruppenspiel hatte der SVA dann seinen ersten Sieg verbuchen können – auch hier ging es in die Verlängerung: Gegen die „Hawks“ vom STV Sedelsberg war es, zieht man den Vergleich zum Folgespiel gegen Frankfurt, genau umgekehrt gelaufen. Diesmal hatten Florian Schneider, Benedikt Föhr (3), Dominik Thiel (2) und Patrick Streifer einen 7:5-Vorsprung für die Gastgeber herausgeschossen, ehe der Kontrahent aus Niedersachsen 26 Sekunden vor Ende noch zum Ausgleich kam. Über drei Minuten mussten sich die Fans dann gedulden, bis Kapitän Nusstein den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückte. „Das ist ein unbeschreiblicher Moment gewesen“, meinte Nusstein hinterher.

In der anderen der beiden Vierergruppe behauptete sich derweil der süddeutsche Meister FC Stern München mit drei Siegen. Dahinter entwickelte sich ein ähnlich spannender Dreikampf wie in der Amendinger Gruppe: Der SC DHfk Leipzig schaffte es mit nur einem Sieg ins Halbfinale, weil die SSF Dragons Bonn beim Unentschieden gegen den viertplatzierten Wyker TB von der Insel Föhr Federn ließen.

Um Platz 5 gegen Bonn

Deshalb musste der SV Amendingen am Sonntag im Spiel um Platz 5 gegen Bonn ran. Die Gastgeber legten gut los und führten nach sechs Minuten schon mit 3:0. Im Laufe der ersten Halbzeit kämpften die Dragons sich aber zurück ins Spiel, sodass es mit 5:3 in die Halbzeitpause ging. Danach bestimmte der SVA das Geschehen wieder mit viel Ballbesitz und einigen guten Abschlüssen, fünf Minuten vor Ende stand ein 8:5 auf der Anzeigetafel. Trotzdem wurde es einmal mehr spannend, denn SSF-Kapitän Samuel Enns brachte seine Farben 43 Sekunden vor Schluss nochmal auf 9:8 ran. Zwei Sekunden waren noch auf der Uhr, als der ohnehin schon hohe Puls bei den Zuschauern nochmal weiter nach oben schnellte: Ein Bonner Angreifer hatte den Ausgleich bereits auf der Kelle, die Flugkurve seines Schusses aufs lange Eck sah vielversprechend aus. Aber SVA-Torhüter Raphael Landherr fuhr gerade noch rechtzeitig das Bein heraus und kratzte den Ball mit den Zehenspitzen von der Linie, um einen Augenblick später den fünften Platz mit den Zuschauern zu feiern. Die besondere Geschichte hinter Amendingens Schlussmann: Landherr ist erst elf Jahre alt und sogar noch für die U11-Mannschaft spielberechtigt. „Eigentlich war er nur als Ersatztorhüter eingeplant“, verrät Trainer André Streifer. Doch in allen vier Spielen, in denen der junge Mann jeweils mehrere Einsatzminuten sammelte und stets mit Paraden glänzte, machte er offenbar auch bei den gegnerischen Trainern Eindruck: Sie wählten den Amendinger sogar mehrheitlich als besten Turnier-Schlussmann ins Allstar-Team. „Wir sind natürlich wahnsinnig stolz auf ihn“, lobt Streifer.

Respekt vor dem Meister

Auch mit dem fünften Platz seines Teams ist er „mega glücklich“, denn vor dem Turnier sei lediglich die Devise gewesen, nicht Letzter zu werden. „Wir haben mehr erreicht, als wir uns als Außenseiter erträumt haben“, so der Trainer weiter. Deutscher Meister wurde schließlich der UHC Weißenfels, der im Finale mit den zuvor starken Münchnern vom FC Stern kurzen Prozess machte. 7:0 stand es in der zweiten Halbzeit bereits, als Luis Rüger der Ehrentreffer für den Vertreter aus der bayerischen Landeshauptstadt gelang. „Der UHC hat verdient gewonnen, sie spielen einfach in einer anderen Klasse“, erkannte auch Amendingens Kapitän Georg Nusstein respektvoll an. Besonders die Ballsicherheit, die Schnelligkeit und das Überzahlspiel hätten durchaus beeindruckt.

Für Amendingen bei der deutschen Meisterschaft aufgelaufen: Raphael Landherr, Kilian Lechner – Nils Karg, Lukas Zimmermann, Patrick Streifer, Fabian ­Redle, ­Maxine Abens, Nick Kämpf, ­Georg Nusstein, Luca Stiegeler, Florian Schneider, Benedikt Föhr, Florian Schütz, Dominik Thiel, Luis Voigtsberger, Sophie Mayer und Robert Cockshott.

Marco Tobisch

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