Debüt auf der ganz großen Bühne

SV Amendingen richtet deutsche U15-Meisterschaft im Floorball aus

+
Gegen Top-Teams wie den FC Stern München halten die Amendinger auf bayerischer Ebene inzwischen mit. Bei der deutschen Meisterschaft könnte es das Duell erneut geben – sogar daheim in Memmingen.

MM-Amendingen – So wie Eishockey, nur ohne Eis. So beschreiben Floorballer ihren Trendsport, der bereits in den 1970er Jahren vor allem in Skandinavien entwickelt wurde. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten wurde auch in Deutschland Aufbauarbeit geleistet in der Sportart, die dem Hallenhockey ähnelt – seit 2013 auch beim SV Amendingen, der in seiner jungen Geschichte bereits eine 110 Spieler starke Abteilung aus dem Boden gestampft hat. Am Wochenende des 29./30. Juni steht in der Sporthalle des Memminger BBZ das erste ganz große Vereinshighlight bevor: die Ausrichtung der deutschen Meisterschaft (DM) in der Altersklasse U15, in der sich die Amendinger mit den besten Nachwuchsteams der Bundesrepublik messen dürfen.

„Letzter wollen wir auf keinen Fall werden“, gibt Co-Trainer Johannes Föhr als vorsichtiges Ziel aus. Chefcoach André Streifer, der zugleich Abteilungsleiter der Floorballer ist, geht sogar noch einen Schritt weiter: „Das Halbfinale wäre schon ein Traum.“ Damit der SVA als voraussichtlich einziger DM-Debütant im Feld in die Runde der letzten vier einzieht, müsste zunächst die Gruppenphase überstanden werden. Insgesamt nehmen acht Mannschaften, aufgeteilt in zwei Gruppen, an der Endrunde Teil – je zwei aus dem Norden, Süden, Osten und Westen der Republik.

Während andere Regionen zum Teil noch ausspielen, welche Vertreter sie nach Memmingen schicken, ging das süddeutsche Qualifikationsturnier bereits über die Bühne. Gescheitert war dort überraschend der VfL Red Hocks Kaufering, amtierender deutscher U15-Meister und auch neuer bayerischer Spitzenreiter. Auf süddeutscher Ebene schwächelte der Primus aus dem Landkreis Landsberg aber und fiel somit unter anderem hinter den FC Stern München zurück, der sich dadurch als zweiter Süd-Vertreter zu den bereits gesetzten Amendingern gesellt. „Eigentlich hätten wir schon auch noch gerne an der Qualifikation teilgenommen“, räumt Johannes Föhr ein. Denn schließlich sei ein solches Quali-Turnier auf hohem Niveau etwas anderes als Testspiele, in denen das Ergebnis meist zweitrangig ist.

Angekommen

Dass der SVA mit den Spitzenteams Bayerns mithalten kann, hatten die Schützlinge von Streifer und Föhr in der abgelaufenen Ligasaison mehrfach unter Beweis gestellt. Besonders auf die Vergleiche mit den Red Hocks Kaufering, die als einziger bayerischer Floorballverein im Herrenbereich einen Bundesligisten stellen, ist Streifer stolz – blickt aber auch mit ein wenig Wehmut zurück: In zwei von drei Spielen in dieser Saison lagen die Amendinger kurz nach der Halbzeitpause – ein Spiel dauert zweimal 20 Minuten – aussichtsreich in Führung. Dann aber folgte jeweils die Wende und Kaufering ging doch noch als Sieger vom Feld. Warum die Memminger ihren Vorsprung gleich mehrfach nicht ins Ziel bringen konnten? „Über die meisten Phasen im Spiel waren wir sogar die bessere Mannschaft, aber dann kommen oftmals noch sechs bis sieben Minuten Blackout dazu“, meint Streifer. „Das liegt vermutlich an der Konzentration.“ Nichtsdestotrotz: Waren die „Stadtbach Piranhas“ in ihren Anfangsjahren häufig Kanonenfutter, trägt die erfolgreiche Jugendarbeit längst Früchte. Und so freuten sich die U15-Jungs heuer über die bayerische Bronzemedaille.

Inzwischen halten die Piranhas auch mit den routinierten Teams im Freistaat, die zum Teil um viele Jahre in ihrer Floorball-Entwicklung voraus sind, spielerisch durchaus ansehnlich mit. Das ist vermutlich auch der Tatsache zu verdanken, dass der SVA inzwischen in vielen verschiedenen Altersklassen vertreten ist. Mit Teams in der U9, U11, U13, U15 und den Herren sind die Amendinger nahezu lückenlos in allen bayerischen Spielklassen vertreten und mischten zuletzt fast überall auch in der oberen Tabellenhälfte mit.

Ein großer Pool an Mitgliedern ist auch in rund einem Monat gefragt. Denn wie Streifer schätzt, seien etwa 60 bis 70 Helfer gefragt, um das bevorstehende Groß-Event zu stemmen. Vom Spielsekretariat, dem Bandendienst (der die Umrandung des Spielfeldes korrigiert), der Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Verpflegung am Kiosk müssten mehrere Aufgaben in Schichtdienste eingeteilt werden.

Weniger ausrechenbar

19 SVA-Mitglieder kommen für diese nicht infrage, sie sind nämlich für die sportlichen Erfolge des Gastgebers zuständig. Neben den zwei Trainern gehören dem gesamten Aufgebot voraussichtlich zwei Torhüter und 15 Feldspieler an. Gespielt wird dann in Dreierblöcken, die fliegend durchwechseln. Weil die Plätze auf dem Spielberichtsbogen aber auf 14 begrenzt sind, dürfen nicht alle Spieler immer eingesetzt werden. Streifer sieht in der Zusammenstellung seines Aufgebots, zu dem auch drei Mädels gehören, gleich mehrere Vorteile: „Wir können auf jeden Fall zwei sehr gute Reihen auf einem ausgeglichenen Level stellen“, meint der Coach. Dadurch sei man weniger ausrechenbar im Vergleich zu Teams, deren Spiel auf ein oder zwei Topakteure ausgelegt sei. Und noch ein weiterer Vorteil: „Wir wollen natürlich, dass möglichst viele Spieler in unserem Verein von so einem großen Erlebnis profitieren können“, so Streifer weiter. Als Gastgeber sei man in der günstigen Lage, einzelnen Spielern auch mal eine Verschnaufpause zu geben und könne das Aufgebot von Spiel zu Spiel neu benennen, worauf ein Team mit langer Anreise wohl verzichten dürfte.

Allein auf den vermeintlichen konditionellen Vorteil will sich das Trainerteam aber nicht verlassen und hält deshalb aktuell einige Extratrainings ab. Während unter der Saison üblicherweise ein Training wöchentlich stattfindet, besteht die intensive Turniervorbereitung aus zwei Hallentrainings und einer Fitnesseinheit, bei der die Spieler Lauf- oder Kraftübungen im Zirkel absolvieren. Für die Spielpraxis stehen auch noch einige Tests auf dem Programm, von denen es zuletzt bereits einen erfolgreichen bei einem Besuch in Heiden (Schweiz) gab. Ansonsten sind weitere Duelle mit dem SV Ochsenhausen und den Red Hocks Kaufering geplant.

Bald Bundesliga?

Von letzterem Team hat sich Co-Trainer Johannes Föhr zuletzt einiges abgeschaut, wie er verrät. Denn seit zwei Jahren sammelt er in der zweiten Herrenmannschaft der Kauferinger zusätzliche Erfahrungen als Spieler. Ihn begeistern an der Sportart vor allem „schnelles Passspiel, viel Körpereinsatz, Bewegung und Teamplay“. Zur nächsten Saison könnte es für Föhr auf der sportlichen Karriereleiter nochmal eine große Stufe nach oben gehen: Dann will der 17-Jährige erstmals in der Bundesliga auflaufen – im erweiterten Kader befindet er sich bereits. Auch für seine U15 hat das Vorteile: „Klar, dort bekomme ich viele Übungen mit, die ich hier einbringen kann.“ Und so zeigten sich seine Schützlinge zuletzt zusätzlich motiviert, in der heißen Phase vor ihrem bislang größten Turnier – und das vor dem heimischen Publikum – das Maximum aus sich herauszukitzeln. (mt)

Auch interessant

Meistgelesen

Packendes Floorball-Saisonfinale beim Oxen-Cup
Packendes Floorball-Saisonfinale beim Oxen-Cup
FCM verliert zum Saisonauftakt
FCM verliert zum Saisonauftakt
TVM-Gruppenturner feiern Gausieg
TVM-Gruppenturner feiern Gausieg
FCM empfängt SpVgg Oberfranken Bayreuth zum ersten Heimspiel
FCM empfängt SpVgg Oberfranken Bayreuth zum ersten Heimspiel

Kommentare