Auftaktspiel gegen Außenseiter 

Davis Cup: Philipp Kohlschreiber wendet überraschende Blamage gerade noch ab  

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Philipp Kohlschreiber wischt sich im ersten Einzel gegen den Ungarn Piros den Schweiß aus dem Gesicht.

Dass Philipp Kohlschreiber im Auftakteinzel des Davis-Cup-Duells mit Ungarn so viel Mühe hat, hatte wohl kaum jemand erwartet.

Update vom 1. Februar 2019:

Mit einem Zittersieg hat Philipp Kohlschreiber eine Blamage im Davis Cup abgewendet und die deutschen Tennis-Herren gegen Ungarn in Führung gebracht. Nach einem überraschenden Satzrückstand rang die Nummer 32 der Welt Außenseiter Zsombor Piros 6:7 (6:8), 7:5, 6:4 nieder. Eine enttäuschende Leistung brachte Kohlschreiber gegen den unerschrocken aufspielenden 19-Jährigen in die Bedrängnis. Der Ungar belegt in der Weltrangliste nur Platz 371 - doch erst nach 2:39 Stunden sicherte der Routinier dem deutschen Team zum Auftakt der neuen Davis-Cup-Ära den einkalkulierten ersten Punkt.

Anschließend tritt der deutsche Spitzenspieler Alexander Zverev gegen den nicht in der Weltrangliste geführten Peter Nagy an. Dass anders als bisher nur noch über zwei Gewinnsätze gespielt wird, ist ein Ergebnis der umfangreichen Reform des Nationen-Wettbewerbs. Als Folge dessen zieht der Sieger dieser Auftaktrunde auch nicht wie bislang ins Viertelfinale ein, sondern erreicht die neu geschaffene Endrunde vom 18. bis 24. November in Madrid.

Kohlschreiber: „Ich erwarte ein schwieriges Match“

Die Fakten hatten auf einen deutlichen Sieg des Deutschen hingedeutet. Bei 4:5 im zweiten Satz war der Augsburger aber nur zwei Punkte von einer Pleite entfernt. „Ich denke, er wird alles geben. Ich erwarte ein schwieriges Match“, hatte Kohlschreiber bei der Auslosung gewarnt, aber gehofft: „Wir werden beide ein bisschen nervös sein, ich hoffe, ich kann damit besser umgehen.“

Doch es war der erfahrenste Spieler der deutschen Auswahl, der den schlechteren Start erwischte. Piros, der Junioren-Sieger der Australian Open von 2017, spielte frei auf, agierte mutig und rückte mehrfach erfolgreich ans Netz vor. Dem Augsburger fehlte die Länge in den Grundschlägen.

Boris Becker klatschte immer wieder aufmunternd

Zwei Satzbälle wehrte er schon bei 3:5 und 4:5 ab. Wer dann dachte, dass Kohlschreiber nach dem Ausgleich zum 5:5 die Oberhand gewinne, sah sich allerdings getäuscht. Auch Boris Becker, der Head of Men's Tennis im Deutschen Tennis Bund, stand immer wieder auf und klatschte aufmunternd. Es half aber zunächst nichts. Im Tiebreak glich die deutsche Nummer zwei einen 3:6-Rückstand aus, beim sechsten Satzball des Ungarn war der erste Durchgang dann aber weg.

Anschließend machte Kohlschreiber ein 1:3 wett und erkämpfte sich den Satzausgleich. Im entscheidenden Durchgang ließ sich Piros behandeln, spielte mit bandagierter linker Wade weiter, stand aber dennoch dicht vor der Sensation.

„118 Jahre werden Geldgier geopfert“: Becker und Stich kritisieren Davis-Cup-Reform

Die News vom 17. August 2018: Hannover - Die beiden früheren Davis-Cup-Sieger Boris Becker und Michael Stich haben die vom Tennis-Weltverband ITF beschlossene Radikalreform des traditionsreichen Mannschaftswettbewerbes heftig kritisiert. „Es fehlen einem die Worte nach dieser Entscheidung“, schrieb Becker bei Twitter und postete einige Fotos von seinen emotionalsten Momenten im Davis Cup. „Es war einmal“, schrieb der dreimalige Wimbledonsieger.

Die ITF hatte am Donnerstag auf ihrer Generalversammlung in Orlando beschlossen, dass der Davis Cup ab dem kommenden Jahr im November in einer Finalwoche an einem neutralen Ort ausgespielt werden soll. Nur im Februar gibt es noch eine Qualifikationsrunde nach altem Modell mit Heim- oder Auswärtspartien. In den Spielen der Finalwoche, für die sich 18 Teams qualifizieren, wird es dann nur noch zwei Einzel und ein Doppel geben, jeweils über zwei Gewinnsätze. Bislang gibt es vier Einzel und ein Doppel, jeweils über drei Gewinnsätze.

„Kein Respekt vor Historie und Traditionen“: Michael Stich wettert gegen die Davis-Cup-Reform.

„Es ist traurig, dass eine Gruppe von Funktionären die Tradition des Davis Cups beerdigt. Den Davis Cup wird es in der Form, wie wir sie kennen, nun nie wieder geben, und 118 Jahre werden der Geldgier von Personen geopfert, die keinen Respekt vor Historie und Traditionen haben“, kommentierte Stich die Entscheidung mit drastischen Worten. „Für mich und für alle, die den Tennissport lieben, ist es ein sehr trauriger Tag.“ Der Großteil der Tennisverbände hatte für die Reform gestimmt, weil die Investmentfirma Kosmos um den spanischen Fußballer Gerard Piqué für 25 Jahre drei Milliarden Dollar garantiert hat. Der Deutsche Tennis Bund hatte gegen die Pläne votiert.

dpa

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