TV-Kritik

Handball-TV: Darauf ein kräftiges Prostata

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Yorck Polus (l.) mit Christian „Blacky“ Schwarzer.

Krakau - Am Freitagabend zeigte das ZDF den Handball-Krimi zwischen Deutschland und Norwegen. Und das Halbfinale wurde zur Phrasenschweinerei. Eine TV-Kritik.

Eine Mannschaft, die sogar im ZDF gewinnt – die wird garantiert Europameister. Nicht das Erste mit Kretzsche und Florian Naß, sondern leider nur das Zweite hat am Freitag den Handball-Hitchcock gegen Norwegen übertragen, und das war schade. Ein freundlicher junger Mann namens Dr. Yorck Polus hat das Spiel angesagt, und eine gewaltige Phrasenschweinerei angerichtet. „Das wird sicher ein kämpferisches Spiel“ und „Bei so vielen Gefühlen fühlen wir mit der deutschen Mannschaft“ – was Polus vor dem Anwurf verzapfte, war mehr lachdienlich als sachdienlich.

Wobei man sich der Faszination des ZDF-Vorabends mit seiner verfilmten Apothekenumschau kaum entziehen kann. Renten-Lotto, Voltaren Schmerzgel Forte, Rheuma, Hörgerät und Prostata-Reklame – selbst mit 65 fühlt man sich beim Zuschauen noch blutjung, die Zielgruppe scheint Ü94 zu sein. Wenn dich nachts die Blase weckt, im ZDF viel Schönes steckt. „Ich bin so verstopft, ich brauch dringend Hilfe“, klagte der hartleibige Werbemann, bevor wieder der verbal inkontinente Dr. Polus ins Bild kam.

Was man sofort merkte: Handball hat es jetzt ganz nach oben geschafft, denn das ZDF hat das Busfahren übertragen. Wenn ein Sport brummt, zeigt das Zweite immer das Busfahren, das ist der Fetisch von Sportchef Dieter Buschwitz, achten Sie mal drauf. Experte war Christian „Blacky“ Schwarzer. Mussten wir das bereuen? Reu Blacky? Ging schon. Schwarzer arbeitete die abgelegten Sprüche von Stefan Kretzschmar tapfer auf („Die werden so im Tunnel sein“), mitreißen konnte er nicht.

Danach übernahm Biathlon-Kommentator Christoph Hamm – weil er sich mit Norwegern auskennt. Man mochte kaum glauben, wie sich so ein Handball-Krimi so fad übertragen lässt. Wenn Florian Naß im Ersten on fire ist, klingt das so: „Trau Dich! Mach ihn rein!!!“ Hamm dagegen doziert: „Die Mittel des deutschen Angriffs greifen heute nicht so selbstverständlich wie in den Spielen zuvor.“ Schnarch. Höchstwahrscheinlich arbeitet er nebenbei in der ZDF-Apothekenumschau als Botschafter für Baldriantropfen. Wenn wenigstens sein Biathlon-Spezi Fritzenwenger reingebayert hätte: „Wieder ein Fehlversuch von Bjørndalen!“ Doch trotz ZDF steht die deutsche Elf im Finale, und das zu siebt. Darauf ein kräftiges Prostata!

Jörg Heinrich

Quelle: tz

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