Deutsche Handballer gegen Spanien

Kretzsche: Darauf kommt's jetzt an

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Für Sport1 bei der WM vor Ort: Kretzschmar mit den Nationalspielern Theuerkauf, Groetzki und Christophersen (v.links)

Saragossa/München - Vor dem Duell der deutschen Handballer gegen die Spanier verrät Sport1-Experte Stefan Kretzschmar der tz, auf wen und was es am Mittwoch ankommt.

Es ist wie in den guten (noch nicht so fernen) alten Zeiten: Millionen Deutsche werden am Mittwoch (ab 18.50 Uhr, ARD live) mitfiebern, wenn es für die Handballer bei der WM in Spanien in Saragossa gegen die Gastgeber um den Einzug ins Halbfinale geht. Auch Stefan Kretzschmar, bei der WM vor Ort für Sport1 im Einsatz, wird seinen Nachfolgern alle Daumen drücken. „Für das Image des deutschen Handballs ist es fantastisch, was die Mannschaft bisher geleistet hat“, sagte der ehemalige Weltklasse-Linksaußen zur tz. „Die Spieler begeistern die Zuschauern. Man kann wirklich stolz auf sie sein.“

Vor dem Duell gegen die Spanier (Kretzschmar: „die denkbar schwierigste Aufgabe, die haben stark gespielt“) verrät der Sport1-Experte auch, auf wen und was es am Mittwoch ankommt. „Wir brauchen wieder einen starken Mittelblock mit Michael Haaß und Oliver Roggisch“, sagt der 39-Jährige. „Und wir brauchen einen überragenden Torwart und schnelle Gegenstöße. Im Prinzip müssen wir versuchen, die Spanier mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen.“ Und Kretzschmar ist sich sicher, dass die Überraschung möglich ist: „Die Mannschaft glaubt an sich, sie hat sich von einem Underdog zu einem ernsthaften Gegner entwickelt. Man ist wieder wer im Welthandball.“

Tatsächlich hat das Handballfieber die Republik erfasst. Eine Videobotschaft aus der Heimat, in der diverse Größen des deutschen Sports ihre Glückwünsche überbringen, stimmte Kapitän Roggisch & Co. am Dienstagabend im Teamhotel Palafox in Saragossa auf das Viertelfinale ein. Sogar die Fußballer mit Joachim Löw an der Spitze drücken der Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger die Daumen. „Handball ist für uns Fußballer immer interessant gewesen“, sagte Löw. „Und deshalb haben wir uns natürlich wahnsinnig gefreut, dass die Handballer bei dieser WM bislang so gut sind.“

Erstmals seit dem goldenen Wintermärchen vor sechs Jahren winkt der DHB-Auswahl die Halbfinalteilnahme bei einer WM. Doch Heuberger, der akribische Architekt des neuen deutschen Handball-Booms, bleibt trotz der überraschenden öffentlichen Wertschätzung bescheiden. „Ich habe nicht im Kühnsten damit gerechnet, dass es so gut läuft“, sagte der 48-Jährige. Vor den Spaniern hat Heuberger Respekt, aber keine Angst. „Ich glaube schon, dass wir auch in taktischer Hinsicht ein paar Lösungen finden werden. Wir sind der Außenseiter in dieser Situation, fühlen uns da aber wohl.“

Abwehrchef Roggisch jedenfalls freut sich auf ein „geiles“ Spiel vor 11 000 frenetischen Fans in Saragossa. „Wir haben nichts zu verlieren, und ich glaube, das liegt dieser Mannschaft. Wenn wir ein gutes Spiel machen und verlieren, dann wird uns keiner böse sein. Gewinnen wir, sind wir die Helden – was gibt es denn Schöneres?“, sagte der 34-Jährige.

Den 31:20-Sieg der Spanier gegen Serbien verfolgte die Mannschaft in der Halle – eingeschüchtert wirkt sie aber nicht. Torwart Silvio Heinevetter, der sich im Turnier enorm gesteigert hat, stellt fest: „Wir stehen im Viertelfinale. Ein Sieg, und wir sind im Halbfinale, das klingt doch ganz gut.“

bb

Die zehn besten deutschen Handballer der Geschichte

Joachim "Jo" Deckarm wurde 1978 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Ein Jahr später verletzte sich der als bester Spieler der Welt geltende Rückraumriese bei einem Europapokalspiel des VfL Gummersbach in Ungarn. Nach einem Foul fiel Deckarm auf den Kopf und lag 132 Tage im Koma. Er kämpfte sich durch intensive Therapien zurück ins Leben, ist aber bis heute durch den Unfall gezeichnet. © dapd
Jochen "Scholle" Fraatz war einer der besten Linksaußen der Welt. Er spielte lange Jahre für TuSEM Essen, später für die HSG Nordhorn und den TBV Lemgo. 1984 gewann er mit der DHB-Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Los Angeles. Vor allem seine "Dreher" waren weltweit gefürchtet. Er ist mit 2.660 Toren Zweiter der ewigen Torschützenliste der Handball-Bundesliga. © getty
Florian Kehrmann wurde 2007 Weltmeister im eigenen Land. Der dynamsiche Rechtsaußen vom TBV Lemgo errang außerdem mit der "Goldenen Generation" um Daniel Stephan, Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Christian Schwarzer 2004 den EM-Titel. 2003, 2005 und 2006 wurde er zu Deutschlands Handballer des Jahres gewählt. 2006 wurde er außerdem Zweiter bei der Wahl zum Welthandballer des Jahres. © dapd
Bernhard Kempa prägte den Handball in Deutschland wie kaum ein anderer Spieler. Der Feld- und Hallenhandballspieler errang mit seinem Heimatverein Frisch Auf Göppingen elf Meistertitel. Legendär ist der "Kempa-Trick", der nach "Monsieur Handball" benannt wurde. Nach seiner aktiven Karriere feierte er auch als Trainer große Erfolge und war Welt- und Europameister im Tennis der Senioren. © dpa
Vielen Handballfans ist Wieland Schmidt kaum ein Begriff. Der Torhüter feierte mit der olympischen Goldmedaille 1980 in Moskau seinen größten Erfolg. Der langjährige Nationaltorhüter der DDR galt in den 70er und 80er Jahren als einer der besten Keeper der Welt. Mit seinem Heimatverein SC Magdeburg feierte er u.a. sechs Meistertitel und und zwei  Europapokalsiege. Er wurde dreimal zum Handballer des Jahres der DDR gewählt. © dpa
Christian Schwarzer feierte mit der deutschen Nationalmannschaft seine größten Erfolge. Neben dem WM-Titel 2007 und dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 wurde er 2003 bei der Weltmeisterschaft in Portugal als Kreisläufer zum wertvollsten Spieler gewählt. Während seines Engagements beim FC Barcelona wurde der überragende Abwehrspieler Champions-League-Sieger (2000). © dapd
Daniel Stephan gilt als "der Unvollendete". Er war 1998 der erste Welthandballer Deutschlands (2004: Henning Fritz). Der Rückraumspieler hatte während seiner Karriere mit etlichen Verletzungen zu kämpfen und spielte deshalb nie eine Weltmeisterschaft. 2004 errang der dreimalige Handballer des Jahres (1997-1999) mit der Nationalmannschaft den EM-Titel. Stephan war ein unglaublich vielseitiger Rückraumspieler. Neben seiner guten Übersicht zeichnete er sich als Spielmacher und Torjäger aus. © dapd
Andreas Thiel, genannt der "Hexer", gewann mit dem VfL Gummersbach fünf Deutsche Meisterschaften und zweimal den Europapokal der Landesmeister. Gefürchtet waren vor allem die Reflexe des siebenmaligen Handballer des Jahres. Er hielt in seiner Bundesligakarriere (528 Spiele) 430 Siebenmeterwürfe. © getty
Erhard Wunderlich ist Deutschlands "Handballspieler des Jahrhunderts". Im Alter von 21 Jahren gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft 1978 den Weltmeistertitel. Mit dem VfL Gummersbach sicherte er sich alle nationalen und internationalen Titel. In seiner Karriere wurde er dreimal mit der höchsten sportlichen Auszeichnung der BRD, dem "Silbernen Lorbeerblatt", ausgezeichnet.  1981 und 1982 wurde er außerdem zum Handballer des Jahres gewählt. © getty
Volker Zerbe steht für außergewöhnliche Vereinstreue. Der 2,11 große Linkshänder spielte seine gesamte Karriere (1986-2006) beim TBV Lemgo. Zerbe galt als einer der weltbesten Abwehrspieler und zeichnete sich in der Nationalmannschaft vor allem durch sein blindes Verständnis mit Kreisläufer Christian Schwarzer aus. In der DHB-Auswahl feierte er mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2004 seinen größten Erfolg. Den TBV Lemgo führte der langjährige Kapitän u.a. zu zwei deutschen Meisterschaften, drei Pokalsiegen und drei internationalen Titeln. © getty

Quelle: tz

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