Hans-Jochens Vogel

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich hat sich mal Gedanken gemacht über die Kritiker, die gegen eine Austragung der Olympischen Spiele 2018 in München sind.

Der Bundesverband der Heckenschützen, die Werdenfelser Zwietrachtler sowie der bayerische Förderverein der Dagegenseier und Nichtmitunser leisten derzeit ganze Arbeit. Sie sind gegen die Austragung der Winterspiele 2018 in München, Garmisch und am Königssee – höchstwahrscheinlich, weil der Schutz des Florentiner Habichtskrauts und des rosablühenden grüngelbquergestreiften Rosmarin-Weidenröschens im Bewerbungskonzept nicht ausreichend erwähnt wird, und weil eine Trachtlerin im Bewerbungsvideo schiache Landhausmode trägt.

Spannende Frage: Hat es diese professionellen Dagegenseier eigentlich auch schon gegeben, als sich München für die Sommerspiele 1972 beworben hat?

Wenn ja, hätte das ungefähr so ausgeschaut. Wir blenden knapp 45 Jahre zurück. Am 28. Oktober 1965 stellt NOK-Chef Willi Daume dem Münchner OB Hans-Jochen Vogel seine Olympiapläne vor. In den folgenden Monaten überschlagen sich die Proteste gegen Olympia samt Begleiterscheinungen. Die Ladenbesitzer in der Kaufinger- und Neuhauserstraße starten Demos gegen die geplante Fußgängerzone – wie bittschön sollen die Kunden ohne Trambahn und Auto zum Einkaufen kommen? Die Domgesellschaft ist auch strikt dagegen – sie hat in einem Gutachten herausfinden lassen, dass die Frauenkirche durch den U-Bahn-Bau in sich zusammenstürzen wird. Außerdem hat schon der Führer 1938 an der U-Bahn gegraben, ein Weiterbau ist daher aus moralischen Gründen abzulehnen.

Proteststurm auch gegen die Sportstätten am Oberwiesenfeld. Störung der Totenruhe am Schuttberg! Der „Freundeskreis Grünwalder Stadion“ macht gegen den Bau des „größenwahnsinnigen“ Olympiastadions mobil. Niemals werden 77 000 Leute zum Bundesliga-Aufsteiger FC Bayern gehen! Das geplante Zeltdach stößt auf massiven Widerstand – bayerische Apachen-Verbände klagen ihr Copyright zum Zeltbau ein. Pazifisten sind gegen die Schießanlage in Hochbrück: „Wir sagen Nein zur Olympischen Wiederbewaffnung!“

Fischschützer zeigen sich entsetzt über die Ruderstrecke in Oberschleißheim – der dort hausende südsibirische Spiegelkarpfen könnte von Ruderblättern erschlagen werden. Der Nudistenweltverband klagt auch – beim Bogenschießen im Englischen Garten drohen unschuldige Nackerte erlegt zu werden. Pferdeschützer schlagen wegen der Reitanlage in Riem Alarm – der Fluglärm macht die Viecher krank. Und was ist, wenn ein Flieger auf die Stallungen fällt?

Die Wiesn-Wirte sind eh strikt gegen Olympia, weil danach nämlich kein Mensch mehr Geld für Bier und Brathendl hat. Sie fordern eine Verlegung der Entscheidung zur Olympiabewerbung 1972 auf Frühjahr 1973. Gemeinsames Motto der Heckenschützen und Zwietrachtler: „Hans-Jochen hat einen Vogel!“ Schließlich gibt der OB entnervt auf. Es werden dann ganz wunderbare Sommerspiele 1972 in Detroit.

Quelle: tz

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