„Für mich ist das eine Riesenstory“

Nach Absagenflut: Münchner vor seiner Davis-Cup-Premiere

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Yannick Hanfmann.

Weil die allererste Riege der deutschen Tennisstars absagte, rutschte Yannick Hanfmann ins Davis-Cup-Team - obwohl er schwerhörig ist.

Vom College-Tennis Kaliforniens auf die Davis-Cup-Bühne! Bis 2015 spielte Yannick Hanfmann für die renommierte USC und machte seinen Abschluss, danach wechselt der gebürtige Karlsruher nach München, zuerst zum Sport Scheck und mittlerweile an die Tennisbase in Oberhaching. Nach den Absagen von Sascha Zverev. Mischa Zverev und Philipp Kohlschreiber gehört der 25-Jährige beim Abstiegskrimi ab Freitag in Portugal erstmals zum deutschen Kader. Kurios: Hanfmann ist von Geburt an schwerhörig. Auf dem Platz („Ich sage es den Schiedsrichtern, die relativ leise reden“) stört es ihn ebensowenig wie beim Telefonat mit der tz.

Herr Hanfmann, die übliche Frage lautet: Wann kam der Anruf? Bei Ihnen war es aber ein Augengespräch, richtig?

Hanfmann: Das war tatsächlich die erste Frage, die ich den vergangenen Tagen oft gestellt bekommen habe. Ich war in Unterhaching zum Trainieren, da hat mich Michael Kohlmann zur Seite genommen. Ich war total überrascht. Jetzt bin ich seit Montag in Lissabon. Der Court ist wunderschön, die Anlage erinnert an die Antike, es sieht aus wie in Rom oder Griechenland. Der Platz ist nicht groß, wird aber voll sein und die Stimmung dementsprechend heißblütig.

Es soll Kollegen geben, die dort nicht antreten wollen.

Hanfmann: Sie spielen auf die vielen Absagen an. Bei den Jungs ging es um den Untergrund und die Regeneration, am Platz hatten sie sicher nichts auszusetzen.

Alle wollten nicht auf Sand spielen und haben die nächsten Ranglistenpunkte im Blick. Auch Sie stehen vor einer entscheidenden Phase in Ihrer Karriere. Haben Sie gezögert?

Hanfmann: Ich musste nicht überlegen, aber der Davis Cup hat auch nicht in meine Planung gepasst, ich hätte nächste Woche ein Hallenturnier in Metz auf Hardcourt gespielt. Aber jetzt spiele ich eben bei 26 Grad auf Sand, es könnte schlimmer sein. Zumal, wer weiß, wie oft ich die Chance noch bekomme. Mit dem deutschen Trainingsanzug habe ich mich erstmal vor den Spiegel gestellt, für mich ist das eine Riesenstory.

Fällt die Umstellung auf Sand tatsächlich so schwer?

Hanfmann: Es ist intensiv, der Körper ist dafür nicht bereit. Die Topspieler sind vielleicht noch ein bisschen feinfühliger. Es ist nicht so einfach, wie es aussieht. Ich hatte mich auch gefreut, dass nach der Nordamerika-Tour, auf der ich nicht hundertprozentig fit war, ein bisschen Ruhe einkehrt, mein Körper hätte eine Aufbauphase gebraucht. Aber ich sehe das positiv.

Von den Ranglistenpositionen her sind sie das schlechteste DTB-Team seit 30 Jahren. Was entgegnen Sie den Skeptikern?

Hanfmann: Dass muss an Tim Pütz (Rang 380, d. Red.) liegen (lacht). Anfang des Jahres stand Cedrik-Marcel Stebe um die 500, jetzt steht er auf 90 und spielt wie Rang 50. Ich war 320 und bin jetzt auf Platz 136, auch Jan-Lennard Struff (Rang 54, d. Red.) war noch weiter hinten platziert. Und Tim spielt ein starkes Doppel mit Struffi.

Haben Sie Boris Becker schon kennengelernt?

Hanfmann: Nein, in New York haben wir uns verpasst, aber wir holen das diese Woche nach. Die Verkündung seiner neuen Aufgabe beim DTB hat mich nicht sonderlich bewegt, weil ich damals kein Betroffener war. Wenn Boris hier dabei ist, ist das sehr schön. Seine Erfahrungsschatz haben nicht viele, davon kann ich nur profitieren.

Am College haben Sie auch im Team gespielt, ist das mit dem Davis Cup vergleichbar?

Hanfmann: Nicht direkt, aber ich mag dieses Teamgefühl, das liegt mir. Auf der Tour ist man immer alleine unterwegs, ab und zu spielt man Doppel, aber ein Sieg mit dem Team ist schöner als alleine zu gewinnen.

Es gibt viele Kritiker, Sie sind ein Davis-Cup-Befürworter?

Hanfmann: Grundsätzlich schon, aber die Topspieler müssen wieder das Gefühl bekommen, dass es für sie kein zusätzlicher Aufwand ist. Unser Terminkalender ist wahnsinnig eng, aber man müsste bessere Zeitpunkte für die Austragung finden.

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