Mayer vor Titelgewinn

Zehnkampf: Freimuth und Kazmirek machen Silber unter sich aus

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Leichtathletik-WM: Rico Freimuth war bärenstark im Zehnkampf.

Die deutschen Zehnkämpfer Rico Freimuth und Kai Kazmirek stehen vor dem abschließenden 1500-Meter-Lauf am Samstagabend bei der Leichtathletik-WM in London auf dem zweiten und dritten Platz.

Erlösender Medaillenregen über London: Nach zuvor nur einmal Silber und einer langen sportlichen Dürre gab es für die deutschen Leichtathleten am neunten WM-Tag nicht nur endlich das erlösende erste Gold an der Themse durch Speerwerfer Johannes Vetter (Offenburg), sondern noch drei weitere Podestplätze. Im Zehnkampf eroberten Rico Freimuth (Halle/Saale) und Kai Kazmirek (Neuwied) Silber und Bronze hinter dem überragenden Franzosen Kevin Mayer. Und zu guter Letzt sprintete Pamela Dutkiewicz (Mannheim) über 100 m Hürden zu Bronze.

Mit einer Bilanz von einmal Gold, zweimal Silber und zweimal Bronze wendete der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) seine schlechteste Ausbeute seit 2003 (0-1-3) noch einmal ab, dennoch droht vor dem Schlusstag am Sonntag mit keinem echten Trumpf das schwächste Abschneiden seit 2005 (1-1-5).

Vor dem Finale aber herrschte am Samstag im Olympiastadion im deutschen Lager zunächst einmal Feierstimmung - dank Vetter und den Königen der Athleten. Der deutsche Rekordhalter Vetter setzte sich mit 89,89 m vor den Tschechen Jakub Vadljech (89,73) und Peter Frydrych (88,32) durch. Olympiasieger Thomas Röhler (Jena/88,26) als Vierter und Andreas Hofmann (Mannheim/83,89) als Achter blieben ohne Medaille.

"Da fehlen mir die Worte. Nach den ersten zwei Versuchen war mir klar, dass es für eine Medaille reicht, aber noch nicht, für welche Farbe. Es hätten aber zwei, drei Meter mehr sein können. Gold ist der Hammer", sagte Vetter, der dritte deutsche Speerwurf-Weltmeister überhaupt. Bei der Premiere 1983 hatte DDR-Athlet Detlef Michel triumphiert, 2011 holte überraschend Matthias de Zordo Gold. Aus dem ersten Doppelerfolg zweier deutscher Leichtathleten bei Weltmeisterschaften seit 18 Jahren wurde in London nichts.

Zwei Jahre nach Bronze in Peking musste sich der 29-Jährige Freimuth diesmal mit 8564 Punkten nur dem neuen Weltmeister Kevin Mayer (8768) geschlagen geben, Bronze sicherte sich der Olympiavierte Kazmirek (8488). Letztmals standen vor 30 Jahren zwei deutsche Zehnkämpfer auf dem WM-Podium, in Rom holte damals Torsten Voss Gold für die DDR vor Siegfried Wentz (BRD).

"Ich habe mir geschworen, wenn ich eine Medaille gewinne, widme ich die einem Menschen: Michael Schrader", sagte Freimuth. Der WM-Zweite von 2013 habe ihn mit mit ins Trainingslager begleitet, "nur um mich zu pushen". Kazmirek freute sich ebenfalls grenzenlos: "Ich habe mit der Punktzahl eine Medaille. Es war meine Chance, die habe ich genutzt."

Unerwartet war der Final-Coup von Dutkiewicz, danach gab es ihr kein Halten mehr. Die deutsche Meisterin musste sich bei ihrer WM-Premiere nach 12,72 Sekunden in London nur Weltmeisterin Sally Pearson aus Australien (12,59) und Peking-Olympiasiegerin Dawn Harper-Nelson (12,63/USA) geschlagen geben.

Dutkiewicz: „Ich war in einem Flow“

"Ich war in einem Flow", sagte Dutkiewicz im ZDF: "Mir ist ein kleiner Fehler passiert, aber es hat gereicht. Ich kann es gar nicht glauben. Ich wollte einfach nur ein gutes Rennen laufen. Ich habe nicht mit einer Medaille gerechnet, als ich das auf der Anzeigetafel gesehen habe...."

Undankbare Vierte wurde die deutsche Hochsprung-Meisterin Marie-Laurence Jungfleisch. Die Stuttgarterin kam beim Sieg der russischen Topfavoritin und Titelverteidigerin Maria Lasizkene, die als neutrale Athletin mit 2,03 m Gold gewann, mit 1,95 m auf Platz vier. Die 26-Jährige scheiterte dreimal an 1,97 m. Ebenfalls nur Vierte beim Sieg der USA (41,82 Sekunden) wurde die 4x100-m-Staffel der Frauen um Gina Lückenkemper (42,36).

Über 5000 m hat Großbritanniens Laufheld Mo Farah sein angestrebtes Triple-Double verpasst. Acht Tage nach seinem Sieg über die 10.000 m musste der 34-Jährige nach sechs Jahren in einem großen 5000-m-Rennen wieder einer Niederlage einstecken, der Jahres-Weltbeste Muktar Edris aus Äthiopien schnappte ihm nach 13:32,79 Minuten Gold weg. Für Farah blieb nach einem dramatischen Rennen nur Silber (13:33,22).

sid

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