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Attila Hildmann abgeschaltet: Telegram sperrt bekannteste Kanäle des Corona-Leugners

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Von: Monja Stolz

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Das Idol vieler Verschwörungstheoretiker muss weichen – Telegram schränkt Attila Hildmanns Reichweite stark ein.

Frankfurt – Attila Hildmann, der jahrelang Verschwörungstheorien auf Telegram verbreitet hat, muss nun auf andere Plattformen ausweichen: Der Messengerdienst hat Medienberichten zufolge die bekanntesten Chats des rechtsextremen Corona-Leugners* gesperrt. So heißt es, dass beim Versuch Hildmanns Chats zu betreten, folgende Meldung erscheint: „Dieser Kanal kann nicht angezeigt werden, weil er gegen lokale Gesetze verstößt.“ Die Sperrung war der Hacker-Gruppe „Anonymous“ am Montagabend (07.02.2022) aufgefallen. Diese hatte auch schon in der Vergangenheit Informationen über Attila Hildmann geliefert*.

Dass Telegram eine der wichtigsten Kommunikations-Plattformen für Hildmann war, ist erkennbar an seiner Reichweite. Der prominenteste Chat verzeichnete 100.000 Abonnentinnen und Abonnenten. Bisher wurde diese nur auf einzelnen Systemen, etwa iOS oder Android, gesperrt, wie beispielsweise im Juni 2021 geschehen. Nun sind seine größten Kanäle weder über die Desktop-Version von Telegram noch über die App auf dem Handy zugänglich.

Attila Hildmanns Kanäle offenbar nur in Deutschland auf Telegram gesperrt

Die Sperre beschränkt sich offenbar erstmal auf Deutschland, wie die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig auf Twitter feststellt: „Österreichische Accounts können weiterhin auf die Kanäle von Hildmann zugreifen“. Außerdem betreibt Hildmann weiterhin kleinere Kanäle, die allerdings meist unter 10.000 Mitglieder haben. In einem dieser verkündet der Verschwörungstheoretiker, dass er sich über „seine Webseite ab und zu melden“ werde, weil dort keine Zensur möglich sei. Auf besagter Webseite hetzt er gegen Telegram: „Telegram arbeitet jetzt aktiv mit den Landesbehörden gegen die Wahrheit.“

Attila Hildmann verbreitete seine Theorien nicht nur auf Demonstrationen, sondern vor allem über Telegram.
Attila Hildmann verbreitete seine Theorien nicht nur auf Demonstrationen, sondern vor allem über Telegram. © Christophe Gateau/dpa

Bundesregierung erhöht Druck auf Telegram

Nachdem im Dezember 2021 herauskam, dass radikale Corona-Maßnahmengegner* über Telegram einen Mord an dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU*) schmiedeten, erhöhte die Bundesregierung den Druck auf den Messengerdienst. Auch in der breiten Bevölkerung steht Telegram in der Kritik*, da der Messenger von vielen radikalen Gruppen zur Organisation genutzt wird und sich Hass, Hetze und Falschmeldungen in einigen Kanälen als Standard etabliert haben.

Das Unternehmen hinter Telegram hat seinen Sitz bzw. seine Briefkastenadresse in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wohl auch deshalb ist es schwierig, den Konzern zu erreichen. Vor etwa einer Woche (02.02.2022) gelang es dem Bundesinnenministerium laut eigenen Angaben einen direkten Kontakt herzustellen. Im Rahmen eines Gesprächs habe die Bundesinnenministerin Nancy Faeser* (SPD) „die Gangart etwas verschärft“, so die SPD-Politikerin* selbst in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk. (Monja Stolz) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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