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Gasversorgung in Deutschland: Größter Gasspeicher in Europa fast leer

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Von: Johannes Nuß

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Der Gasspeicher Rehden
Europas größter Gasspeicher in Niedersachsen ist fast leer. © Melanie Russ

Europas größter Gasspeicher in Niedersachsen ist fast leer. Gerade einmal zu 0,51 Prozent ist dieser gefüllt. Auch in Bayern scheint das Gas knapp zu werden.

Bonn – Die Sorgenfalten liegen tief an diesem Donnerstagmittag in Niedersachsen. Obwohl die Bonner Bundesnetzagentur in Deutschland nicht müde wird zu betonen, dass die Gasversorgung mit russischem Gas aktuell gesichert ist, scheinen die Gasspeicher in Deutschland und Europa leer zu sein. Wie aus den Daten der europäischen Organisation Aggregated Gas Storage Inventory (AGSI) hervorgeht, ist beispielsweise Europas größter Gasspeicher in Rehden (Landkreis Diepholz) gerade einmal zu 0,51 Prozent gefüllt.

Gasversorgung in Deutschland: größter europäischer Gasspeicher im niedersächsischen Rehden fast leer

Zum Vergleich: Vor rund einem Jahr lag die Befüllung des Speichers in Rehden noch bei 6,54 Prozent, vor zwei Jahren waren es sogar 95,34 Prozent, wie kreiszeitung.de berichtet. Das ganze lässt aufhorchen, klingt es doch nicht nach Zufall. Betrieben wird der Speicher durch das Unternehmen Astoria, das wiederum ein Tochterunternehmen der Gazprom Germania ist. Gazprom Germania wiederum war bis Ende März eine 100-prozentige Tochter von Gazprom Russland.

Der Schritt zur Trennung wurde von russischer Seite Ende März völlig überraschend vollzogen. Noch ist nicht klar, welche Auswirkungen dies auf die Gasversorgung in Deutschland haben könnte oder was die Russen damit bezwecken wollen, heißt es in einem Bericht von merkur.de. Auch der im ostfriesischen Jemgum gelegen Erdgasspeicher gehört zum Unternehmen Astoria, ist aber laut AGSI mit rund 18,6 Prozent wesentlich voller als der in Rehden.

Mit Blick auf den bereits erfolgten Stopp der russischen Gaslieferungen an Polen und Rumänien lässt dies für Deutschland nicht unbedingt etwas Gutes erahnen. Auch wenn die Bundesregierung und die Bundesnetzagentur nicht müde werden zu betonen, dass die Energieversorgung in Deutschland aktuell gesichert sei. Denn ohne russische Gas wird es auch in Deutschland eng.

Gasversorgung in Deutschland: Laut Wirtschaftsministerium ist die Versorgungssicherheit gewährleistet

„Derzeit ist die Versorgungssicherheit hier gewährleistet“, teilte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Die Gasflüsse seien alles in allem stabil. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte im Streit über Zahlungsmodalitäten die Belieferung Polens und Bulgariens eingestellt. Die EU-Kommission kritisierte das russische Vorgehen als Erpressungsversuch, was ein Kremlsprecher zurückwies.

Trotzdem: nimmt man alle Gasspeicher in Deutschland zusammen, sind die nur zu rund 33,4 Prozent gefüllt. Das jedenfalls teilte die Bundesnetzagentur am Mittwoch in Bonn mit. Aktuell werde relativ konstant eingespeichert. Die Füllstände seien vergleichbar mit dem Jahr 2017 und mittlerweile deutlich höher als im Frühjahr 2015, 2018 sowie 2021, so die Behörde.

Seit dem 5. April nimmt der Füllstand laut einer Übersicht der europäischen Speicherbetreiber kontinuierlich zu. Zum Vergleich: Am 18. März waren die Speicher zu 24,2 Prozent gefüllt, der niedrigste Wert des Winters 2021/22. „Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil“, meldete die Behörde weiter. Die Gasnetzbetreiber hätten keine besonderen Vorkommnisse gemeldet. Es seien keine Beeinträchtigungen der Gaslieferungen nach Deutschland zu erwarten, so die Aussage.

Gasversorgung in Deutschland: Für Bayern wichtiger Gasspeicher im österreichischen Haidach auch fast leer

Wie aber passt dies mit den Aussagen des bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger (Freie Wähler) zusammen, nachdem der für den Freistaat wichtige Gasspeicher bei Haidach ebenfalls fast leer ist. In Haidach kommt nach dem Gas aus Nord Stream 1 die meiste Menge am Erdgas aus der Russischen Föderation in Deutschland an. Aiwanger forderte, den Speicher so schnell wie möglich aufzufüllen.

„Haidach gehört zu etwa zwei Dritteln der Gazprom, die ihn leergefahren hat, nachdem er offenbar vorher aus strategischen Gründen schon unterdurchschnittlich befüllt war“, sagte Freie-Wähler-Chef Aiwanger der „Passauer Neuen Presse“. Mit der Bundesnetzagentur, die Gazprom Germania treuhänderisch bewirtschafte, müsse zeitnah eine Lösung gefunden werden, „um die Speicherkapazität Haidach zu nutzen. Wir brauchen diese dringend für den kommenden Winter.“

Haidach bei Salzburg ist neben Rehden in Niedersachsen einer der größten Erdgasspeicher Europas

Haidach bei Salzburg ist neben Rehden in Niedersachsen einer der größten Untertage-Erdgasspeicher Europas und über die Bayernets-Leitungen an das deutsche Fernleitungsnetz angebunden. Bayernets-Manager Tobias Schmidt sagte der Deutschen Presse-Agentur, im Speicher Haidach lagerten Gas-Großhändler ihre Vorräte für das Winterhalbjahr. Bayernets transportiere das Gas aus Haidach zu Abnehmern oder leite es zu benachbarten Netzbetreibern weiter.

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Nach dem im März vom Bundestag beschlossenen Gasspeicher-Gesetz müssen die Betreiber von Gasspeichern in Deutschland ihre Speicher bis zum 1. November auf 90 Prozent auffüllen. Allerdings befindet sich der Speicher Haidach in Österreich und wird über Unternehmen in Moskau vermarktet. Schmidt sagte, wenn Haidach im November zu 90 Prozent voll sein sollte, müsste spätestens Ende Juni maximal eingespeichert werden.

Auch aus diesem Grund gibt Deutschland derzeit kräftig Gas beim Bau des geplanten LNG-Terminals in Wilhelmshaven. Bereits in der kommenden Woche könnte mit dem Bau der rund 30 Kilometer lanegen Pipeline begonnen werden. Diese wird benötigt, um das LNG von den schwimmenden Terminals an Land zu bringen, wo es ins deutsche Gasnetz eingespeist werden soll.

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