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Weltraum-Mission Artemis: Nasa plant Erkundungsmission des Mars - gemeinsam mit Elon Musk

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Von: Bettina Menzel

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Artemis
Die neue Mondrakete der Nasa wird bereit gemacht. © Brynn Anderson/AP/dpa

Am Samstag startet die Nasa den zweiten Versuch, die Artemis 1-Rakete zum Mond zu schicken. Wenn es nach der US-Weltraumbehörde geht, ist das nur der erste Schritt auf dem Weg der Menschheit zum Mars.

Cape Canaveral - Vor 50 Jahren haben Menschen zuletzt den Mond betreten. Am Samstag unternimmt die US-Weltraumbehörde Nasa den Versuch, die Rakete Artemis in Richtung Mond zu schicken. Das ist zunächst „ein kleiner Schritt für die Menschheit“, denn es handelt sich um einen unbemannten Testflug. Doch schon 2024 sollen wieder Menschen die Mondoberfläche betreten - und langfristig plant die Weltraumbehörde den „nächsten großen Schritt“: Die Erkundung des Mars.

Zurück zum Mond: Nasa gibt 2,41 Milliarden-Auftrag an Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX

Wenn der exzentrische Multimilliardär und reichste Mensch der Welt, Elon Musk, sagt, er würde gerne den Mars zu seinem Zuhause machen, ist das die eine Sache. Wenn sich aber die US-Weltraumbehörde Nasa mit Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX zusammenschließt, verleiht dies der Mission eine gewisse Ernsthaftigkeit, auch wenn an Musks Innovationsgeist wohl keine Zweifel bestehen.

„Danke an das SpaceX-Team für die Hilfe bei unserer Reise zum Mond“, schrieb die Artemis-Mission der Nasa im April auf Twitter. Elon Musk zeigte sich stolz darüber, ein Teil des Teams zu sein. Der SpaceX-Chef hatte einmal augenzwinkernd verkündet, gerne auf dem Mars sterben zu wollen - nur nicht beim Aufprall. Der Milliardär aus Südafrika teilt nicht nur die Mars-Visionen der Weltraumbehörde, er hat sie befeuert. Denn SpaceX revolutionierte als privates Unternehmen die Raumfahrt, indem es wiederverwendbare Raketen konstruierte.

Die Anzeichen verdichten sich, dass es auf dem Mars bereits Leben gab oder sogar gibt. Der SpaceX-Chef ist sich sicher, dass „die Menschheit den Mars noch zu unseren Lebzeiten erreichen“ wird, wie er kürzlich auf Twitter schrieb und sieht darin eine große Chance für die Menschheit. „Ohne ein gemeinsames Ziel, bekämpfen Menschen sich nur gegenseitig. Der Mond hat uns 69 zusammen gebracht, der Mars wird das in der Zukunft auch schaffen“, so Musk in Anspielung auf die erfolgreiche Apollo 11-Mission im Jahr 1969.

Die Nasa hat SpaceX für rund 2,41 Milliarden Euro damit beauftragt, eine Mondlandefähre für die Artemis 3 zu bauen. Es soll ein Shuttle sein, das Astronauten von der Orion-Kapsel der Artemis-Rakete zur Mondoberfläche und wieder zurück bringt. Diese Aufgabe soll das Raumschiff Starship übernehmen, ein Prototyp des Modells hatte im Jahr 2021 bereits einen erfolgreichen Testflug absolviert. Die Zusammenarbeit zwischen Nasa und SpaceX ist bislang durchaus erfolgreich: Erst kürzlich war die erste komplett private Crew auf der Internationalen Raumstation ISS - die Zusammenarbeit von Nasa, SpaceX und Axiom schrieb damit Geschichte. Nasa-Chef Bill Nelson sprach damals von einer „neuen Ära der bemannten Raumfahrt.“

Von Artemis 1 bis Artemis 3: Das plant die Nasa bis zum Jahr 2025

Bei Artemis 1 handelt es sich um einen unbemannten Testflug einer 98 Meter hohen Space-Launch-System-Rakete, kurz SLS-Rakete, und der darauf sitzenden Orion-Besatzungskapsel. Statt Astronauten sind mit Sensoren ausgestattete Menschenpuppen an Bord, die Vibrationen, Beschleunigung und Strahlungswerte aufzeichnen. Kameras dokumentieren die 42-tägige Reise.

Die Orion-Kapsel soll den Mond umkreisen und sich ihm bis auf 100 Kilometer nähern. Auch ein Rekord ist geplant, denn die Kapsel soll im Anschluss bis zu 64.000 Kilometer hinter den Mond fliegen - so weit wie noch nie ein Raumschiff, das Menschen befördern soll. Vor allem der Hitzeschild soll getestet werden, der bei seiner Rückkehr in die Erdatmosphäre einer Geschwindigkeit von fast 40.000 Kilometern pro Stunde und einer Temperatur halb so heiß wie die der Sonnenoberfläche standhalten muss. Nach der Mission soll die Kapsel auf die Erde zurückkehren.

Die nächste Phase, die Artemis 2 Mission, soll bereits im Jahr 2024 Astronauten in eine Umlaufbahn um den Mond bringen - eine Landung ist dann noch nicht vorgesehen. Erst mit Artemis 3 sollen Astronauten tatsächlich auf dem Mond landen - und das nicht wie im Rahmen des Apollo-Programms nahe des Äquators, sondern diesmal am Südpol des Erdtrabanten. Dort wurde Wasser in Form von Eis nachgewiesen. Diese dritte Etappe des Programms soll im Jahr 2025 stattfinden. Einer unabhängigen Prüfung zufolge ist damit aber erst für frühestens 2026 zu rechnen. Ist Artemis 3 erfolgreich, plant die Nase etwa einmal pro Jahr Mondflüge mit Besatzung.

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Thermokacheln bedecken das SpaceX-Raumschiff Starship (Archivbild, 1. Juli 2022). © IMAGO/San Antonio Express-News/Zuma Wire

Zurück zum Mond - und noch weiter: Nasa plant Erkundungsmission des Mars

Die Nasa will zurück zum Mond - und das dauerhaft. SpaceX soll deshalb ein Shuttle für Artemis 3 bauen, das Astronauten zwischen der Besatzungskapsel Orion und der Mondoberfläche hin und her transportieren kann. Langfristig will das Artemis-Programm eine Raumstation namens Gateway bauen, die den Mond dauerhaft umkreisen soll. Der Start der ersten beiden Elemente, eines Wohnmoduls sowie des Energie- und Antriebssystems, ist frühestens für Ende 2024 vorgesehen. Auf dieser Raumstation sollen Astronauten zwischen 30 und 60 Tage bleiben. Das SpaceX Shuttle soll die Astronauten dann bei Gateway abholen und zum Mond transportieren können. Die Raumstation dient einer größeren Vision: Gateway soll künftig als Zwischenstation für Reisen zum Mars dienen.

Das große Ziel des Artemis-Programms ist das, was die Nasa als „nächsten großen Schritt“ bezeichnet: die Erkundung des Mars durch den Menschen. Das Artemis-Programm soll Reisen zum Mars vorbereiten, unter anderem durch die gewonnenen Erkenntnisse in den Bereichen Fahrzeuge, Antriebe und Raumanzügen.

Nasa will Basis auf dem Mond errichten

Die Nasa-Experten wollen außerdem herausfinden, wie Menschen sich für längere Zeit im Weltraum aufhalten können. Daten sind dazu nur begrenzt verfügbar. Wenige Menschen waren bislang über ein Jahr im All, einer davon war der US-Astronaut Scott Kelly. Er war bei seiner Rückkehr vier Zentimeter größer, berichtete er bei einer Nasa-Pressekonferenz. Auch seine Haut sei sensibler gewesen. Fans der Science-Fiction-Serie „The Expanse“ kommt das bekannt vor, sie denken bei langen Aufenthalten im All ohne Schwerkraft an die langfristigen Auswirkungen, mit denen etwa die „Gürtler“ zu kämpfen haben: Eine geringere Knochendichte etwa oder Muskelatrophie. Letzteres ist auch bei Raumfahrern nachgewiesen. Um dem Muskelabbau entgegenzuwirken, trainieren Astronauten im All etwa zwei Stunden pro Tag.

Damit Astronauten künftig bis zu zwei Monate auf dem Mond bleiben können, soll dort eine Basis errichtet werden. Der Mond ist nur wenige Tage Flug von der Erde entfernt - der Mars hingegen mindestens mehrere Monate. Doch bevor Menschen erstmals den Mars erreichen, muss die Nasa die erste Etappe des Artemis-Programms hinter sich bringen: Den Start der Artemis 1. Der erste Versuch, die Rakete am Montag (29. August) zum Mond zu schicken, musste wegen technischer Probleme und wegen des Wetters auf Samstag (3. September) verschoben werden. Das zweistündige Zeitfenster eines möglichen Starts am Samstag öffnet sich um 14.17 Ortszeit (20.17 Uhr deutscher Zeit), Zuschauer können das Spektakel online live verfolgen. Wer nun selbst von einer Reise ins All träumt, kann mit Google Maps virtuell durch unser Sonnensystem fliegen (AFP/bme).

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