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Produktion in Bangladesch und Vietnam: Jan Böhmermann wirft YouTuber Fynn Kliemann Maskenbetrug vor

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Von: Laura May

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Fynn Kliemann ist als integrer und sozial engagierter YouTuber, Sänger und Unternehmer bekannt – Recherchen von ZDF-Magazin-Royale stellen dieses Image jetzt infrage.

München – Fynn Kliemann hatte noch vor ein paar Tagen ein astreines Weltverbesserer-Image. Der Webdesigner, Unternehmer, Musiker, Autor und YouTuber verkörpert öffentlichkeitswirksam progressive Werte wie Nachhaltigkeit, sozialen Zusammenhalt und Unternehmertum, das nicht nur an Profit orientiert ist.

2015 erschien der 34-jährige Niedersachse auf der Bildfläche. Zunächst mit Heimwerker-Videos auf YouTube, mit denen er Millionen Menschen erreichte. Gemeinsam mit der TV-Produktionsfirma „Cineteam Hannover“ erwarb er dann 2016 einen Reiterhof im niedersächsischen Rüspel aus dem er das sogenannte „Kliemannsland“ machte. Das Gelände ist Kulisse für Kliemanns YouTube-Videos sowie ein Treffpunkt für Kreative aller Art.

Jan Böhmermann deckt auf: Produziert in Bangladesch, verkauft als „faire Masken aus Europa“

Eine Recherche des Satirikers Jan Böhmermann und dem ZDF-Magazin-Royale bringt das Bild des progressiven und sozialen Unternehmers Kliemann ins Wanken. Seit Beginn der Pandemie soll Kliemann mit der Firma „Global Tactics“ Millionen an Masken verdient haben, die er in Bangladesch und Vietnam produzieren ließ. Und das, obwohl er sie in Deutschland als „faire Masken aus Europa“ verkaufte.

Nachrichtenverlauf Fynn Kliemann: „Krise kann auch geil sein“

Das ZDF-Magazin-Royale wird am 6. Mai um 23 Uhr ausgestrahlt, ist jedoch im Vorhinein schon im Netz zu sehen. Grundlage der Recherche sind interne Chats, Sprachnachrichten, E-Mails, Lieferscheine, Auftragsbestätigungen, Fotos, Videoaufnahmen und Anruflisten. Die ganze Recherche finden Sie hier.

Das Verwerfliche an der Geschichte scheinen weniger die Gewinne an Kliemanns Maskengeschäft zu sein, als das geheuchelte Gutmenschentum. Auf seinen Social-Media Kanälen feierte sich der Influencer als Retter in der Not, der sowohl für medizinischen Schutz sorgt, als auch Arbeitsplätze in Europa sichert.

Fynn Kliemann und Jan Böhmermann im ZDF Magazin Royale.
Fynn Kliemann soll 100.000 fehlerhafte Masken an Flüchtlinge verschenkt haben – wissentlich. © Hauke-Christian Dittrich/dpa, Screenshot ZDF Magazin YouTube (Collage)

ZDF-Magazin-Royale: Kliemann schickt auch noch kaputte Masken in Flüchtlingslager

In den Dokumenten, die dem ZDF vorliegen, zeigt sich allerdings ein anderes Bild des Influencers. Die Produktion der Masken in Bangladesch und Vietnam soll durch „neutrale Kartons“ vertuscht werden, hinter vermeintlicher Wohltätigkeit steckt doch Profitgier. In einer Nachricht an einen Zwischenhändler schreibt Kliemann: „Krise kann auch geil sein.“

Fynn Kliemann setzt aber noch eins drauf: Die Lieferung der ersten 100.000 Masken aus Dhaka (Bangladesch) war minderwertig und konnte nicht verkauft werden. Doch aus dieser vermeintlich ungünstigen Situation zauberten Fynn Kliemann und seine Kollegen noch einen PR-Gag. Öffentlichkeitswirksam „schenkten“ sie die Masken an Flüchtlingscamps in Griechenland und Bosnien. Laut ZDF-Magazin-Royale handelte es sich bei den Masken eindeutig um „minderwertigen Masken, die Träger:innen einen deutlich verringerten Infektionsschutz bieten.“

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