"Gigantische Kosten"

737-Max-Krise treibt Boeing in die roten Zahlen

Flugzeuge der Fluggesellschaft American Airlines vom Typ Boeing 737 Max stehen am Internationalen Flughafen Tulsa. Foto: Tom Gilbert/Tulsa World/dpa
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Flugzeuge der Fluggesellschaft American Airlines vom Typ Boeing 737 Max stehen am Internationalen Flughafen Tulsa. Foto: Tom Gilbert/Tulsa World/dpa

Gigantische Kosten aufgrund der nach zwei verheerenden Abstürzen aus dem Verkehr gezogenen Problemflieger vom Typ 737 Max treiben Boeing tief in die roten Zahlen. Der Airbus-Rivale steckt in der wohl größten Krise seiner über 100-jährigen Konzerngeschichte.

Chicago (dpa) - Der US-Luftfahrtriese Boeing hat wegen der Krise um den mit Flugverboten belegten Unglücksjet 737 Max seinen ersten Jahresverlust seit mehr als zwei Jahrzehnten erlitten.

Das vergangene Geschäftsjahr wurde mit einem Minus von 636 Millionen Dollar (578 Mio Euro) abgeschlossen, wie der Konzern am Mittwoch in Chicago mitteilte. Es ist das schlechteste Ergebnis seit 1997. Im Vorjahr hatte der Airbus-Rivale noch 10,5 Milliarden Dollar verdient. Der Umsatz brach um 24 Prozent auf 76,6 Milliarden Dollar ein.

"Wir erkennen, dass wir viel Arbeit zu erledigen haben", sagte Boeings neuer Vorstandschef Dave Calhoun. Vorgänger Dennis Muilenburg war im Dezember nach starker Kritik an seinem Krisenmanagement und Spannungen mit der US-Flugaufsicht FAA gefeuert worden. Die 737 Max wurde im März 2019 nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten rund um den Globus mit Flugverboten belegt. Wann die Maschinen wieder abheben dürfen, ist unklar. Boeing ging zuletzt von "Mitte 2020" aus, doch die Entscheidung liegt bei den Aufsichtsbehörden.

In einer Konferenzschalte mit Finanzanalysten betonte das Boeing-Management, trotz des erschütterten Vertrauens in den Krisenflieger an der 737 Max festhalten zu wollen. Die Nachfrage von Kunden nach dem Jet sei weiter hoch. "Es ist ein sehr herausfordernder Moment, aber ich bin zuversichtlich und optimistisch hinsichtlich der Zukunft des Unternehmens", sagte Calhoun. Finanzchef Greg Smith äußerte sich auch zum Coronavirus, der in der Luftfahrt derzeit für viel Unsicherheit sorgt. Der Einfluss auf den Flugverkehr sei "eindeutig" eine Sache, die im Auge behalten werden müsse.

Boeing rechnet wegen der 737-Max-Flugverbote inzwischen mit mehr als 18 Milliarden Dollar an Sonderkosten. Das Unternehmen hatte die Produktion des Bestsellers diesen Monat bis auf Weiteres gestoppt. "Wir konzentrieren uns darauf, die 737 Max sicher wieder in den Betrieb zurückzuführen und das langjährige Vertrauen in die Marke Boeing wiederherzustellen", erklärte Konzernchef Calhoun. Als eine entscheidende Ursache der Abstürze von Oktober 2018 und März 2019 gilt ein Fehler in der Steuerungssoftware, den Boeing eigentlich schon vor mehr als einem Jahr mit einem Update beheben wollte.

Im vierten Quartal nahmen die Probleme rund um die 737 Max noch weiter zu, wie der Geschäftsbericht nun zeigte. Unterm Strich fiel ein Verlust von 1,0 Milliarden Dollar (0,9 Mrd Euro) an, im Vorjahr hatte es noch einen Gewinn von 3,4 Milliarden Dollar gegeben. Der Umsatz sank wegen der gestoppten Auslieferungen der 737 Max - Boeings bis zu den zwei verheerenden Abstürzen bestverkauften Flugzeugmodells - um 37 Prozent auf 17,9 Milliarden Dollar. Damit fielen die Zahlen deutlich schlechter aus als von Analysten erwartet. Die Marktreaktion fiel trotzdem positiv aus - die Aktie legte im US-Handel deutlich zu.

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