Konzerne setzen Produktion aus

Corona-Krise: Autobauer verlieren täglich dreistellige Millionensummen - VW verlängert Kurzarbeit für Zehntausende

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Die Werke stehen still: Die Corona-Krise soll die Kfz-Konzerne täglich eine dreistellige Millionensumme kosten.

Die Autoindustrie durchlebte schon vor Corona eine turbulente Zeit. Angesichts der aktuellen Pandemie müssen weitere einschneidende Maßnahmen ergriffen werden. 

  • Auch die Autoindustrie kämpft gegen die Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie.
  • Die Opel-Mutter PSA stoppt europaweit die Fertigung von Autos.
  • Auch immer mehr Produktionshallen in Deutschland sind betroffen.

Update vom 31. März, 23.06 Uhr: Volkswagen verlängert wegen der Corona-Krise seine Produktionspause um weitere fünf Tage. Wie der deutsche Autohersteller mitteilt, soll für insgesamt rund 80.000 Angestellte der Volkswagen AG mit der Nachtschicht vom 19. auf den 20. April die Kurzarbeit enden. Grund für die Verlängerung der Produktionspause seien die anhaltend sinkende Nachfrage nach Fahrzeugen und weiterhin bestehende Probleme in der Lieferkette.

16.25 Uhr: Bei Volkswagen sollen wegen der Lieferprobleme und Absatzschwäche in der Corona-Krise rund 80.000 Beschäftigte in Deutschland in Kurzarbeit gehen. Dies verlautet aus Konzernkreisen. Das Unternehmen hat die deutschen und europäischen Werke sowie weitere Standorte in Amerika und Russland derzeit vorübergehend geschlossen. Als Grund für die beantragte Kurzarbeit hatten die Wolfsburger bereits in der vergangenen Woche die beträchtlichen Arbeitsausfälle in der Produktion sowie in den angrenzenden Bereichen genannt.

Update vom 24. März, 13.56 Uhr: Jeder Tag Umsatzausfall bedeutet für die deutschen Autobauer nach einer Überschlagsrechnung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer 360 Millionen Euro Verlust. Der VW-Konzern, Daimler und BMW hätten im vergangenen Jahr 530 Milliarden Euro Umsatz gemacht und 15 Prozent davon, also 80 Milliarden, für Abschreibungen und Zinsen ausgeben müssen, erklärte Dudenhöffer. Diese Kosten liefen weiter, auch wenn Fabriken geschlossen seien und es keinen Umsatz gebe. Dazu kämen noch Lohnnebenkosten selbst bei Kurzarbeit. Bei 220 Arbeitstagen bedeute also jeder Tag ohne Umsatz annähernd 360 Millionen Euro Verlust. 

Die G20-Staaten und die europäischen Staaten stimmten sich in einem Gipfel zur Coronakrise ab. Angela Merkel informiert in einem Video-Statement über die Ergebnisse.

Corona-Krise: Autobauer stoppen reihenweise Produktion - Nach Audi und BMW jetzt auch Tesla

20.15 Uhr: Auch der Autozulieferer Continental stellt die Arbeit in einem Teil seiner Betriebe wegen der Coronakrise bis auf weiteres ein. Wegen der Ausbreitung des Erregers passe man schrittweise die Produktion in den Werken weltweit an und fahre sie „vorübergehend teilweise auf null zurück“, teilte der Dax-Konzern am Mittwoch auf Anfrage mit. Dies diene dem Schutz der Mitarbeiter und geschehe in Abstimmung mit Kunden und Lieferanten. Nähere Angaben zu einzelnen betroffenen Standorten und zum zeitlichen Rahmen machten die Hannoveraner auch unter Verweis auf „laufende Planungen“ nicht.

15.57 Uhr: Der Elektroautobauer Tesla muss sich in der Coronavirus-Krise auf einen wochenlangen Produktionsausfall in seinem Hauptwerk im kalifornischen Fremont einstellen. Da in der Region wegen der Virusausbreitung eine Ausgangssperre verhängt wurde, müssen wohl auch in der Tesla-Fabrik mit rund 10.000 Mitarbeitern die Bänder angehalten werden. Das Büro des örtlichen Sheriffs stellte in der Nacht zum Mittwoch klar, dass Teslas Betrieb nicht als unerlässliches Geschäft eingestuft werde, das von der Anordnung ausgenommen wäre.

15.12 Uhr: Audi hat für die Standorte Ingolstadt und Neckarsulm Kurzarbeit angekündigt. In beiden deutschen Werken stehen die Bänder ab nächster Woche still. „Die durch die Corona-Krise weltweit eingeschränkte Nachfragesituation und bevorstehende Lieferengpässe zwingen uns daher, den Antrag auf Kurzarbeit zu stellen“, sagte Produktions- und Logistikvorstand Peter Kössler am Mittwoch.

Corona-Krise: Autokonzerne stoppen Produktion - jetzt fährt auch BMW total runter

14.10 Uhr: Die Autoindustrie hat bereits vor den massiven Einschränkungen infolge der Coronavirus-Krise gelitten. Bereits zuvor war die Nachfrage auf dem europäischen Automarkt geschrumpft. EU-weit gingen die Neuzulassungen um 7,4 Prozent zum Vorjahresmonat auf rund 957.000 zurück, wie der europäische Herstellerverband ACEA in Brüssel am Mittwoch erklärte. In Deutschland war der Rückgang den Zahlen zufolge mit minus 10,8 Prozent am stärksten. Aber auch der Automarkt in Italien (minus 8,8 Prozent), Spanien (minus 6,0 Prozent) und Frankreich (minus 2,7 Prozent) verzeichnete einen Nachfragerückgang. Der Verband führt das auf „eine Kombination von Faktoren“ zurück, darunter Steueränderungen in mehreren EU-Staaten ebenso wie sich verschlechternde globale Wirtschaftsbedingungen und Unsicherheit unter den Konsumenten.

Wegen der Coronapandemie setzt nun auch der Sportwagenbauer Porsche seine Produktion ab kommender Woche aus. Gestoppt wird die Produktion zunächst für zwei Wochen, wie Porsche am Mittwoch mitteilte. Das Stammwerk Zuffenhausen und der Produktionsstandort Leipzig bleiben demnach ab kommenden Samstag geschlossen.

Der Autobauer reagiert damit nach eigenen Angaben „auf die erheblich beschleunigte Infektionsrate durch das Coronavirus und die daraus resultierenden Empfehlungen der Behörden“. Neben dem Schutz der Belegschaft ließen zudem auch Engpässe bei globalen Lieferketten eine geordnete Produktion derzeit nicht mehr zu.

10.08 Uhr: Nur wenige Minuten nachdem der Konzern lediglich mit Kurzarbeit auf die Corona-Krise reagieren wollte, kündigt auch der Münchner Autobauer BMW an, seine Autoproduktion in Europa für vier Wochen einzustellen. Vorstandschef Oliver Zipse sagte am Mittwoch in München: „Ab heute fahren wir unsere europäischen Automobilwerke und das Werk Rosslyn in Südafrika herunter. Die Produktionsunterbrechung wird voraussichtlich bis zum 19. April eingeplant.“

Corona-Krise zwingt Autobauer zu Maßnahmen - BMW und VW reagieren

Update vom 18. März, 9.37 Uhr: Nachdem einige europäische Autobauer ihre Werke wegen der massiven Verbreitung des Coronavirus dicht gemacht haben, reagiert jetzt auch BMW. Doch in Europa will man offenbar noch nicht schließen. Wie der Konzern am Mittwoch mitteilt, ist aufgrund des deutlichen Gewinnrückgangs eine Anpassung der Produktion samt Kurzarbeit geplant. Die Ausbreitung des Coronavirus dürfte die Nachfrage nach Autos in allen wesentlichen Märkten erheblich beeinträchtigen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit.

Vorstandschef Oliver Zipse sagte, dem absehbaren Rückgang der Nachfrage begegne BMW mit einer „frühzeitigen Anpassung der Produktion“. Betriebsratschef Manfred Schoch sagte, die Gesundheit der Mitarbeiter müsste geschützt und ihre Arbeitsplätze und Einkommen müssten abgesichert werden. Dazu gebe es drei mit dem Betriebsrat vereinbarte Instrumente: Arbeitszeitkonten, Homeoffice und Kurzarbeit. Ein Tarifmitarbeiter bekomme auch bei Kurzarbeit mindestens 93 Prozent seines Nettolohns. Mit diesen drei Instrumenten will der Konzern die Belegschaft sicher durch die Coronakrise steuern.

Corona-Krise: Autokonzerne müssen bereits Fabriken schließen - auch Deutschland betroffen

Update 13.28 Uhr: Audi hat seine für Donnerstag geplante Jahrespressekonferenz angesichts der Coronavirus-Epidemie komplett abgesagt. Auch der als Notlösung geplante Webcast mit dem scheidenden Vorstandschef Bram Schot findet nicht statt, wie der Autobauer am Dienstag in Ingolstadt mitteilte. „Die Bewahrung der Gesundheit aller steht im Fokus: Wir ziehen daraus unsere Konsequenzen.“ Jahresabschluss und Geschäftsbericht würden am Donnerstag um 10.00 Uhr zusammen mit Presseinformationen veröffentlicht, sagten Sprecher.

Update vom 17. März, 12.47 Uhr: Der Autobauer VW hat am Dienstag angekündigt seine Produktion in Europa Großteils einzustellen. An den Montagebändern seien die nötigen Sicherheitsabstände nicht einzuhalten, erklärte der Konzernvorstand. Zuvor waren zwei Mitarbeiter des deutschen Unternehmens nachweislich an dem neuartigen Virus erkrankt. Aber nicht nur Autobauer leiden unter den Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft

Corona-Krise: Autokonzerne müssen bereits Fabriken schließen - auch Deutschland betroffen

Ursprungsmeldung vom 16. März 2020: 

Rüsselsheim/Eisenach - Aufgrund der Coronavirus-Krise greifen auch die Autokonzerne zu rigiden Mitteln, um die weitere Ausbreitung der Virusinfektion zu verhindern. Opel-Mutter PSA wird wegen der Pandemie von Sars-CoV-2 sämtliche europäische Werke bis zum 27. März zumachen. Damit sind auch die beiden Produktionsstandorte des französischen Konzerns in Deutschland betroffen. So wird in den Opel-Werken Eisenach und Rüsselsheim die Arbeit ab Dienstag (17.3.) ausgesetzt, wie PSA mitteilte. In Mülhausen in Frankreich und in Madrid in Spanien stehen die Produktionsbänder bereits seit Montag still.

Opel: Erst Homeoffice, nun machen die Werke dicht

Die deutsche Tochter Opel hatte bereits vorige Woche Hunderte der Mitarbeiter vorübergehend ins Homeoffice geschickt, nachdem in Rüsselsheim ein Angestellter positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

Neben den deutschen Opel-Werken werden am Dienstag noch weitere Standorte schließen - einer in Frankreich, ein weiterer in Spanien sowie die Fabriken in Polen und in Großbritannien. Am Tag darauf schließen den Angaben zufolge drei Werke in Frankreich, Spanien und Portugal, am Donnerstag dann zwei in Großbritannien und in der Slowakei.

Die „Groupe PSA“ ist nicht der einzige Autokonzern, der Werke wegen der Coronavirus-Pandemie schließen muss: Am selben Tag verkündeten auch der französische Rivale Renault sowie der US-italienische Konzern Fiat Chrysler Schließungen. Unterdessen rechnet Mäzen Dietmar Hopp, um dessen Firma es offenbar ein Tauziehen mit US-Präsident Donald Trump gab, mit einem baldigen Corona-Impfstoff.

Coronavirus: Ford vollzieht Maßnahmen in Valencia und Saarlouis

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, reagiert auch Ford auf die grassierende Lungenkrankheit Covid-19 und schließt das Werk im spanischen Valencia ab Montag für zunächst eine Woche. Maßnahmen gibt es dem Blatt zufolge auch im Ford-Werk Saarlouis, wo die Produktion von einem Zwei- auf einen Einschicht-Betrieb heruntergefahren worden sei. 

Für diese Maßnahme seien fehlende Mitarbeiter der Grund. Abgesehen davon handele es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, weil zahlreiche Mitarbeiter aus dem nahegelegenen Frankreich kämen. Im Ford-Werk Köln hingegen laufe vorerst alles weitgehend normal, gab ein Sprecher zu Protokoll.

Längst hat das Coronavirus auch BMW erreichte, bereits getroffene Maßnahmen wurden ausgeweitet. Bei Merkur.de* bewertet eine Sprecherin die aktuelle Situation.

PF mit dpa

*Merkur.de ist ein Angebot des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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