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Der große Knall droht: Die Grundsteuer 2022 könnte vor Problemen stehen

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Von: Felix Busjaeger

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Grundsteuer (Symbolbild)
Die Reform der Grundsteuer läuft. Doch neben der Grundsteuererklärung drohen weitere Probleme © IMAGO / Bihlmayerfotografie

Die Frist zur Abgabe der Grundsteuererklärung läuft. Doch die Reform der Grundsteuer könnte vor Problemen stehen. Entscheidend ist dabei der Hebesatz.

Berlin – Die Reform der Grundsteuer 2022 läuft – allerdings in vielen Bundesländern viel langsamer als erwartet. Bereits im vergangenen August zeigte sich Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) deshalb für eine Fristverlängerung für die Feststellungserklärung bei der Grundsteuer offen. Vorausgegangen waren zahlreiche Beschwerden von Eigentümern und Steuerberatern über den Umfang der Formulare bei der Feststellungserklärung. Dabei ist die Grundsteuererklärung der Eigentümer erst der Auftakt. Der große Knall könnte Deutschland bevorstehen. Davor warnt auch Florian Köbler, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft.

Grundsteuer 2022: Feststellungserklärung verläuft schleppend – Fristverlängerung weiterhin im Gespräch

Ob es zu einer Fristverlängerung bei der Abgabe der Steuererklärung zur Grundsteuer kommen wird, ist weiterhin unklar. Auch der Bund der Steuerzahler hatte sich zuletzt für eine Anpassung des Abgabezeitraums ausgesprochen. „Der viel zu kurze Zeitraum zur Abgabe der Feststellungserklärung muss großzügiger bemessen werden – auf jeden Fall bis Ende Januar 2023“, erklärte Verbandspräsident Reiner Holznagel bereits vor einigen Wochen. Die Sorge: Aufgrund des Umfangs der Grundsteuerreform und des relativ kurzen Abgabezeitraums könnten die Ämter vor einem Steuer-Wirrwarr stehen.

Vor einer möglichen Überlast warnte auch Köbler gegenüber kreiszeitung.de von IPPEN.MEDIA. Zwar seien inzwischen einige ausgefüllte Formulare zur Grundsteuer 2022 eingegangen, allerdings sei der Anteil der Erklärungen in Papierform sehr groß. Zu groß, um es genau zu nehmen: Viele Feststellungserklärungen zur Grundsteuer müssten aufwendig nachgearbeitet werden, da Angaben entweder fehlen würden oder fehlerhaft seien. Hinzu kommt, dass die Bundesländer beim Berechnen der Grundsteuer auf ein eigenes Modell setzen können.

Reform der Grundsteuer 2022: Formulare der Steuererklärung und Probleme bei Elster sorgen für Verzögerung

Im Zuge der Reform der Grundsteuer müssen in Deutschland knapp 36 Millionen Grundstücke neu bewertet werden. Das geschieht auf Grundlage von Angaben, die Eigentümer nun einreichen müssen - seit dem 1. Juli nehmen die Finanzbehörden die Daten entgegen. Der Start der Feststellungserklärung zur Grundsteuer verlief allerdings vielerorts anders als geplant: Mitte Juli kam es bei der Steuer-Plattform „Elster“ zu technischen Schwierigkeiten und war vorübergehend nicht erreichbar.

Das Angebot „Grundsteuererklärung für Privateigentum“ stand erst Anfang Juli zur Verfügung und erweiterte sein Angebot erst vor wenigen Wochen. Inzwischen ist der Dienst eine gute Alternative beim Ausfüllen der Grundsteuer.

Nicht zuletzt wegen der Verzögerungen fordern Vertreter von Politik und Steuerbehörden eine verlängerte Abgabefrist bei der Grundsteuer 2022, die nach der neuen Berechnung ab dem Jahr 2025 erhoben werden soll. Während der Anteil der abgegebenen Grundsteuererklärungen noch relativ gering ist, sind die Bundesländer aktuell wohl noch nicht alarmiert. Erwartet wurde zuletzt, dass die Zahl der Feststellungserklärungen nach den Sommermonaten deutlich ansteigen könnte.

Grundsteuer 2022 berechnen: Experte warnt vor massiven Grundsteuererhöhungen

Der bürokratische Aufwand wirkt anhand des jährlichen Steueraufkommens von etwa 15 Milliarden Euro bereits jetzt enorm. Doch in den kommenden Monaten könnte sich zeigen, dass dieser noch deutlich ansteigen könnte – und das wird womöglich nicht an den Hausbesitzern und Eigentümern in Deutschland liegen. „Große Sorge bereitet mir die zögerliche Umsetzung auf Ebene der Städte und Kommunen. Hier müssten schon längst Hochrechnungen und Vorbereitungen getroffen werden, um die Hebesätze anzupassen. Ansonsten drohen zum Teil massive Grundsteuererhöhungen“, warnt Köbler gegenüber kreiszeitung.de.

Eine Erhöhung der Grundsteuer sollte allerdings laut des Bundesvorsitzenden der Steuer-Gewerkschaft deutlich vermieden werden, da es schlussendlich zu einem gefährlichen Ungleichgewicht kommen könnte. Handeln müssen an dieser Stelle allerdings die Kommunen. Denn: „Unabhängig vom Grundsteuermodell entscheiden letztlich die Städte und Kommunen mit dem Hebesatz über die tatsächliche Höhe der Grundsteuer“, so Köbler.

Berechnung der Grundsteuer 2022: Feststellungserklärung ist erst der Anfang

Was viele Eigentümer in Deutschland nämlich nicht wissen: Der Grundsteuerwert, der auf Grundlage der Feststellungserklärung zur Grundsteuer ermittelt wird, ist schlussendlich nur ein Teil der Berechnung der Grundsteuer. Kombiniert mit der Grundsteuermesszahl, legen die Finanzämter in Deutschland einen Grundsteuermessbetrag fest. In einem weiteren Schritt kombinieren die Kommunen diesen Betrag mit dem Hebesatz, um die örtliche Grundsteuer festzusetzen.

Da es theoretisch durch die Neuberechnung der Grundsteuer zu einem Unterschied beim Grundsteuermessbetrag kommen könnte, wären Kommunen oder Städte angehalten, mit dem Hebesatz gegenzusteuern, um die Höhe der Grundsteuer auch nach 2025 auf einem ähnlichen Niveau wie derzeit zu halten.

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