Trend hält an

Abgastest-Probleme in Europa: VW verkauft viel weniger Autos - zwei andere legen zu

Zum ersten Mal seit Jahren schrumpft die deutsche Wirtschaft. Es handle sich um ein „temporäres Phänomen“, erklärt das Ministerium - und benennt einen banalen Grund.

Update vom 15. November: Der europäische Automarkt hat auch im Oktober einen Dämpfer bekommen - beim Volkswagen-Konzern ging der Absatz um mehr als ein Fünftel zurück. Insgesamt setzte sich der Negativtrend aus dem September fort, in dem bereits viele Hersteller Rückgänge wegen der Umstellung auf das neue Abgas-Prüfverfahren WLTP verzeichnen mussten. Der europäische Branchenverband Acea nannte dies am Donnerstag auch als einen Grund für die jüngste Entwicklung: Die Oktober-Neuzulassungen fielen in den EU-Ländern im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,3 Prozent auf 1,08 Millionen Autos. Vor dem Inkrafttreten der neuen Norm hatten die Hersteller noch viele Modelle nach dem alten Standard verkauft.

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Beim VW-Konzern verringerte sich der Europa-Absatz laut Acea um 21,5 Prozent. Bei dem vom französischen PSA-Konzern übernommenen Autobauer Opel gab es - zusammen mit der britischen Schwestermarke Vauxhall - ein Minus von 6,7 Prozent. BMW steigerte dagegen die Zulassungen im Oktober um 14,5 Prozent. Für Daimler ging es um 7,5 Prozent bergauf.

In allen europäischen Hauptmärkten nahm die Nachfrage ab. Seit dem Jahresbeginn gerechnet, verzeichneten hingegen nur Italien (-3,2 Prozent) und Großbritannien (-7,2 Prozent) ein Minus. In Spanien legten die Zulassungen um 10,0 Prozent zu. Dahinter folgen Frankreich (+5,7 Prozent) und Deutschland (+1,4 Prozent). Insgesamt steht ein Plus von 1,6 Prozent auf 13,04 Millionen Fahrzeuge in der Statistik.

Deutsche Wirtschaft stottert - ist tatsächlich der Abgastest WLTP schuld?

Berlin - Für den Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im dritten Quartal sind nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgastest WLTP verantwortlich. "Die verbindliche Umstellung auf den neuen Prüfzyklus hat einen Zulassungsstau ausgelöst", erklärte das Ministerium von Peter Altmaier (CDU) am Mittwoch. Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft sei im dritten Quartal "nur unterbrochen" worden.

Der Teststandard WLTP gilt seit September für alle Neuwagen in der EU. Viele Autobauer kamen mit der Zertifizierung ihrer Autos jedoch nicht hinterher, im September brach der Neuwagenmarkt EU-weit um 23,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein.

Wirtschaftskraft sinkt zum ersten Mal seit Anfang 2015

Das BIP dürfte dadurch "im dritten Quartal um bis zu 0,4 Prozentpunkte gedämpft worden sein", erklärte das Ministerium. Das Statistische Bundesamt hatte zuvor mitgeteilt, dass die deutsche Wirtschaftskraft von Juli bis September im Vergleich zum Vorquartal zum ersten Mal seit Anfang 2015 sank. Der Rückgang betrug der ersten Schätzung der Statistiker zufolge 0,2 Prozent und damit etwas mehr als die 0,1 Prozent, die Analysten erwartet hatten. Im ersten Quartal 2018 hatte das BIP um 0,4 Prozent zugelegt, im zweiten um 0,5 Prozent.

Ministerium spricht von „temporärem Phänomen“

Bei der WLTP-Problematik handele es sich um ein "temporäres Phänomen", betonte das Wirtschaftsministerium. Mit zunehmender Auflösung des Zulassungsstaus werde sich der Aufschwung bereits im Jahresschlussquartal fortsetzen. Geprägt war das dritte Quartal demnach "durch einen schwachen privaten Konsum", der allerdings grundsätzlich eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur bleibe und starke Importe, die einen negativen Wachstumsbeitrag des Außenhandels bewirkt hätten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Rückgang im dritten Quartal "vor allem auf die außenwirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen". Nach vorläufigen Berechnungen exportierten deutsche Unternehmen in diesem Zeitraum weniger Güter ins Ausland, die Importe legten gegenüber dem Vorquartal hingegen zu.

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AFP

Rubriklistenbild: © dpa / Jan Woitas

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