Nach Flucht in den Libanon

„Korruptes, betrügerisches Verhalten“: Autokonzern verklagt Ex-Boss Ghosn auf irre Summe

Nach seiner spektakulären Flucht in den Libanon droht dem Ex-Konzernchef von Nissan-Renault, Carlos Ghosn, mächtig Ärger. Die Liste der Anklagepunkte ist lang.

  • Trotz Hausarrest in Japan flüchtet Ex-Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn filmreif in den Libanon.
  • Der einst angesehene Wirtschaftsboss wird von dem Konzern vor Gericht gezerrt.
  • Die Liste der Anklagepunkte ist lang - es geht um Geldgeschenke, Immobilien und Flugzeuge.

Update vom 12. Februar 2020: Einst war Carlos Ghosn einer der mächtigsten Autobosse der Welt, nun ist der Manager mit drei Staatsbürgerschaften ein gefallener Mann. Der japanische Hersteller Nissan hat seinen mittlerweile in den Libanon geflohenen Ex-Boss (65) auf einen Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Wie der asiatische Allianz-Partner von Renault nun mitgeteilt hat, wurde beim Bezirksgericht in Yokohama (JPN) eine Zivilklage über zehn Milliarden Yen (umgerechnet 83 Mio. Euro) eingereicht.

Damit solle ein Teil der finanziellen Schäden ausgeglichen werden, die Carlos Ghosn in seiner Zeit bei Nissan-Renault durch sein jahrelanges „betrügerisches“ und „korruptes“ Verhalten dem Konzern zugefügt habe. Zu den Vorwürfen seines früheren Arbeitgebers gehören der Privatgebrauch von Firmen-Jets, getätigte Zahlungen an Ghosns Schwester, Geldgeschenke an seinen privaten libanesischen Anwalt und der Gebrauch von Immobilien im Ausland, ohne dafür selbst die Miete zu übernehmen. Hinzu kämen letztlich noch Kosten für die internen Ermittlungen gegen Angeklagten.

Spektakuläre Flucht: Ex-Renault-Boss Ghosn setzt sich ab - in Kontrabass-Koffer?

Update vom 3. Januar 2020: Nach seiner überraschenden Flucht aus Japan in den Libanon wird der frühere Autoboss Carlos Ghosn jetzt per internationalem Haftbefehl gesucht. Aus libanesischen Justizkreisen hieß es am Donnerstag, die internationale Polizeibehörde Interpol habe ein entsprechendes Gesuch im Auftrag der japanischen Regierung an die Generalstaatsanwaltschaft in Beirut geschickt.

Demnach soll Ghosn in der kommenden Woche im Libanon zu den Vorwürfen befragt werden. Danach werde entschieden, ob japanische Experten an den dortigen Ermittlungen beteiligt würden. Aus Regierungskreisen in Beirut hieß es zugleich, Ghosn sei mit einem gültigen neuen französischen Pass in den Libanon eingereist.

Sichtlich mitgenommen: Carlos Ghosn wird von seinem Ex-Arbeitgeber wegen Untreue vor Gericht gezerrt.

Derweil meldete sich der einstige Autoboss Ghosn in einer Stellungnahme im „Wall Street Journal“ zu Wort: Dabei nimmt er seine Familie in Schutz, sie habe von seiner Flucht nichts gewusst und ihm auch nicht geholfen. „Es gab Spekulationen in den Medien, dass meine Frau Carole und andere Mitglieder meiner Familie eine Rolle bei meiner Abreise aus Japan gespielt haben", sagte Ghosn und führte weiter aus: „All diese Spekulationen sind ungenau und falsch. Ich allein habe meine Abreise arrangiert. Meine Familie spielte überhaupt keine Rolle.“

Update vom 2. Januar 2020, 13.10 Uhr: Nach der überraschenden Flucht des früheren Autobosses Carlos Ghosn aus Japan in den Libanon sind in der Türkei sieben mutmaßliche Helfer festgenommen worden. Darunter seien vier Piloten, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Sie würden verdächtigt, Ghosn bei der Flucht mit einem Privatjet von Japan über Istanbul in den Libanon geholfen zu haben. In Tokio durchsuchten Ermittler das Haus Ghosns. Sicher fühlen könnte sich der Ex-Manager in Frankreich.

„Wenn Herr Ghosn nach Frankreich käme, würden wir Herrn Ghosn nicht ausliefern, denn Frankreich liefert niemals seine eigenen Staatsangehörigen aus“, sagte die Staatssekretärin im französischen Wirtschafts- und Finanzministerium, Agnès Pannier-Runacher, am Donnerstag dem Sender BFMTV.

Spektakuläre Flucht aus Japan: Ex-Chef von Renault-Nissan setzt sich ab - im Kontrabass-Koffer? 

Ursprungsmeldung vom 2. Januar 2020, 9.40 Uhr: Mit dieser spektakulären Wende in der Affäre um Ex-Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn dürfte wohl niemand gerechnet haben: Obwohl der Ex-Manager wegen des anstehenden Prozesses gegen ihn mit einem Ausreiseverbot aus Japan belegt war und dort sogar unter Hausarrest stand, hat Ghosn das Land verlassen können. 

Der 65-Jährige hat sich nach eigenen Angaben in den Libanon abgesetzt. Wie Ghosn dies gelingen konnte, ist noch unklar. Doch libanesische Behörden sprechen von einer legalen Einreise

Ex-Chef von Renault-Nissan aus Japan geflüchtet: Ghosn gibt Stellungnahme ab 

In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte Ghosn am Dienstag, dass er vor „Ungerechtigkeit und politischer Verfolgung“ aus Japan geflüchtet sei. Nun müsse er nicht mehr in einem „manipuliertem“ Justizsystem als Geisel auf einen Prozess warten. Wo genau sich der 65-Jährige aufhält, ist offiziell nicht bekannt. Doch geht es nach Stimmen aus dem Umfeld des Ex-Managers, befindet sich Ghosn in Beirut.  Dort sei er nun bei seiner Frau, „frei“ und „sehr glücklich“. 

Damals noch angesehen: Renault-Nissan-CEO Carlos Ghosn mit Daimler-Chef Dieter Zetsche im Jahr 2010.

Auch wie genau dem 65-Jährigen die Flucht gelang, ist unklar. Doch der libanesische Nachrichtensender MTV will die Hintergründe der spektakulären Flucht erfahren haben. Demnach soll sich der Ex-Manager von einem Musiker in einem Kontrabass-Koffer versteckt aus dem Haus tragen haben lassen. Diese Behauptung wiesen Anwälte des 65-Jährigen jedoch zurück. Anschließend soll Ghosn laut MTV von der Türkei aus mit einem französischen Pass und seinem libanesischen Personalausweis eingereist sein. 

Carlos Ghosn im Kontrabass-Koffer aus Japan geflüchtet? 

Offenbar ließ Ghosn selbst seine Anwälte im Ungewissen. Der japanische Anwalt des 65-Jährigen, Junichiro Hironaka, erklärte, dass die Juristen noch immer im Besitz von Ghosn Pässen seien. Hironaka versicherte in Tokio, er sei "völlig überrascht" von der plötzlichen Ausreise seines Mandanten: "Ich bin sprachlos." Ghosns Flucht sei "nicht zu entschuldigen". Die japanische Regierung äußerte sich bislang nicht zu den Ereignissen.

Ghosns Eltern stammen aus dem Libanon. Er kam in Brasilien zur Welt, verbrachte aber den größten Teil seiner Kindheit im Libanon.

Das libanesische Außenministerium erklärte, Ghosn sei "legal" ins Land eingereist. Es gebe kein Auslieferungsabkommen mit Japan und auch keine juristische Zusammenarbeit. Der staatliche Sicherheitsdienst erklärte, er sehe keine Gründe für eine strafrechtliche Verfolgung Ghosns im Libanon. Paris erklärte, keine Kenntnis von den Fluchtplänen Ghosns oder den Umständen seiner Flucht gehabt zu haben.

Ex-Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn: Anwälte weisen Fluchtplan zurück 

Ghosn war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die dortige Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, Firmenkapital zweckentfremdet und private Verluste auf Nissan übertragen zu haben. Ghosn sprach von einer Verschwörung bei Nissan, um ihn loszuwerden. Grund sei, dass er Nissan noch näher an den französischen Autobauer Renault heranführen wollte.

Ghosns Anwälte werfen den japanischen Ermittlern auch vor, heimlich mit Nissan zusammengearbeitet und ihre Ermittlungen faktisch dem japanischen Autobauer übertragen zu haben. Die Familie des einstigen Spitzenmanagers prangerte außerdem die rigiden Auflagen der Justiz als "unmenschlich" an.

An der US-Botschaft im Irak eskalierte an Silvester die Lage. Hunderte Demonstranten griffen den Komplex in der Hauptstadt Bagdad an - die USA reagieren militärisch. Nach monatelanger Kritik und Rücktrittsforderungen: Boeing-Chef Dennis Muilenberg tritt zurück. Nach zwei Abstürzen der 737 Max mit 346 Toten.

Rubriklistenbild: © dpa / Julien Warnand

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