Wegen Steuererhöhung

Zigaretten werden teurer

Berlin - Eigentlich hatten die Tabakkonzernze die Steuererhöhung für Zigaretten selbst tragen wollen. Doch jetzt haben sie es sich anders überlegt und bitten die Raucher ab der Jahresmitte zur Kasse.

Die Raucher in Deutschland müssen zur Jahresmitte tiefer in die Tasche greifen. Ein Päckchen Zigaretten werde sich um rund 20 Cent verteuern, sagte Marcus T.R. Schmidt, Deutschland-Chef des Tabakkonzerns Reemtsma, am Dienstag in Hamburg. Damit schlage die Erhöhung der Tabaksteuer zum Jahresbeginn doch noch auf die Preise für die Endverbraucher durch. Industrie und Handel hatten die Steuererhöhung zunächst selbst übernommen, auch weil mit fünf Euro je Päckchen für viele Standardpackungen ein wichtiger Schwellenpreis erreicht worden ist. Nun aber habe Marktführer Philip Morris Preiserhöhungen angekündigt und Reemtsma ziehe nach.

Die Tabaksteuer, die nach einer komplizierten Formel errechnet wird, war zum Jahresbeginn um sechs bis acht Cent je Päckchen angehoben worden. Das sind Durchschnittswerte, die je nach Packungsgröße und Endverbraucherpreis etwas schwanken. Mit der Erhöhung um etwa 20 Cent steigert die Industrie ihre Marge und ihren Gewinn. Auch bei den Tabakhändlern bleibt damit wieder mehr hängen. Sie hatten ebenfalls weniger verdient durch die Steuererhöhung.

Der Staatsanteil von Tabak- und Mehrwertsteuer an einem Fünf-Euro-Päckchen beträgt 3,68 Euro. Mit Einnahmen von 14,1 Milliarden Euro ist die Tabaksteuer die zweitwichtigste Verbrauchssteuer, nach der Mineralölsteuer.

Für die Branche kommt die Preiserhöhung durchaus ungelegen. Rauchen ist ohnehin schon sehr teuer geworden und der Markt schrumpft. In den vergangenen sechs Monaten (Oktober bis März) ging der Absatz gegenüber dem Vergleichshalbjahr um 1,9 Prozent auf 57,9 Milliarden Stück zurück. „Wir haben dafür keine richtige Erklärung“, sagte Schmidt. Möglicherweise habe das Winterwetter oder eine Grippewelle eine Rolle gespielt. Zuvor war der Markt über drei Jahre stabil geblieben. Letztlich aber füge sich der Rückgang in den langfristigen Trend ein: Aus demografischen Gründen, wegen der harten Reglementierung und geänderter gesellschaftlicher Normen wird weniger geraucht.

Ungefähr ein Drittel der Raucher ist mittlerweile von teuren Fabrikzigaretten auf günstigeren Feinschnitt, Dreh- und Stopftabak umgestiegen. Das kommt Reemtsma entgegen, das in diesem Marktsegment einen besonders hohen Anteil hält. So konnte die Tochtergesellschaft des britischen Konzerns Imperial Tobacco ihren Marktanteil am Gesamtmarkt von 24,2 Prozent auf 25,3 Prozent ausbauen. Bei der Zigarette stieg der Marktanteil von 25,6 auf 26,2 Prozent. Basis des Erfolgs seien die Marken JPS, Gauloises und Davidoff. Der Halbjahres-Umsatz von Reemtsma erhöhte sich (ohne Steuern) von 485 auf 513 Millionen Euro, der operative Gewinn von 256 auf 266 Millionen Euro.

Rauchen am Arbeitsplatz: das sind Ihre Rechte

Rauchen am Arbeitsplatz: Das sind Ihre Rechte

Um Ärger zu vermeiden, ist es für Raucher wichtig, Pausenzeiten einzuhalten. Sofern nicht vom Arbeitgeber gestattet, besteht kein Anspruch auf bezahlte Raucherpausen. Weil Rauchen eine Freizeitbeschäftigung ist, gibt es kein Recht, zusätzlich alle zwei Stunden eine Fünf-Minuten Pause einzulegen. © dpa
Arbeitgeber können von Mitarbeitern verlangen, vor Raucherpausen auszustempeln. Die versäumte Zeit muss nachgearbeitet werden. Wer sich daran nicht hält, dem droht eine Abmahnung und im zweiten Schritt sogar die Kündigung. © dpa
Paragraf 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches schreibt grundsätzlich Schutzmaßnahmen in einem Betrieb vor. Demnach ist der Arbeitgeber verpflichtet, alles zu tun, um Gefahr für das Leben und die Gesundheit abzuwenden. Mittlerweile ist unstrittig, dass Rauchen auch anderen schadet. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Passivrauchen schädlich ist. © dpa
Das bezieht sich auf den Arbeitsplatz eines Mitarbeiters, aber auch auf Toiletten sowie Pausen- und Bereitschaftsräume. © dpa
Im Mai 2009 hat das Bundesarbeitsgericht daher in einem Urteil (Az.: 9 AZR 241/08) den Grundsatz bestätigt, wonach jedem Arbeitnehmer ein tabakfreier Arbeitsplatz zusteht. Der Arbeitgeber muss Beschäftigte zumindest soweit schützen, wie die “Natur der Dienstleistung“ es gestattet. © dpa
Keine Frage, der Druck auf Raucher in Betrieben hat zugenommen. Das liegt unter anderem daran, dass immer mehr Arbeitgeber wirtschaftliche Nachteile des Rauchens sehen - etwa die Abwesenheit vom Arbeitsplatz während der Raucherpausen sowie längere Krankheitszeiten. © dpa
So mancher Raucher spricht inzwischen von Diskriminierung. Doch bis der Nichtraucherschutz eine so große Bedeutung erlangte, war es ein weiter Weg. © dpa
Strikte Regeln gab es zunächst nur für Betriebe, die mit brennbaren Materialien hantierten oder Fleisch verarbeiteten. Erst 2002 wurde der verbindliche Schutz von Mitarbeitern auf die übrigen Bereiche des Arbeitslebens ausgedehnt. © dpa
Fünf Jahre später verbot der Bund Rauchen in seinen Einrichtungen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen. Es folgten Regelungen der Länder, die den Tabakgenuss an Arbeitsplätzen mit Publikumsverkehr - also Gaststätten - auf verschiedene Weise einschränken. © dpa
Die heutigen strengen Vorschriften im Betrieb gelten selbst für Einzelbüros von Rauchern. Es sei denn, es handelt sich um ein Büro, das sonst niemand betritt und von wo aus kein Rauch nach außen dringt. Das dürfte in der Praxis aber nie der Fall sein © dpa
Rechtlos sind Raucher aber auch heutzutage nicht. Nicht zuletzt deshalb muss ein Betriebsrat - sofern vorhanden - bei Entscheidungen zu Rauchverboten einbezogen werden. © dpa
Chefs dürfen Rauchen nicht mit dem Argument verbieten, Mitarbeitern ihr Laster abgewöhnen zu wollen. Denn: Es ist nicht Sache des Betriebes, Raucher zu Nichtrauchern zu machen. © dpa
Daher muss es Plätze geben, an denen Rauchen gestattet ist. Genüge ist getan, wenn Qualmen lediglich außerhalb der Gebäude erlaubt wird. © dpa
Im Klartext heißt das: Raucher müssen im Zweifelsfall bei Wind und Wetter draußen stehen. © dpa

dpa

Rubriklistenbild: © AP (Symbolbild)

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Karlsruhe weist Eilantrag zum EU-Wiederaufbaufonds ab
Karlsruhe weist Eilantrag zum EU-Wiederaufbaufonds ab
Deutliche Verluste am deutschen Aktienmarkt
Deutliche Verluste am deutschen Aktienmarkt
Deutsche Bahn muss 48 Millionen Strafe zahlen
Deutsche Bahn muss 48 Millionen Strafe zahlen

Kommentare